Der Trend, das eigene Bier zu brauen – In Bruchhausen schon seit 25 Jahren
Von Sandra Wahle

Der Ravenstein, der Goldstein, der Feldstein und der Bornstein sind inzwischen nicht mehr nur jedem Bruchhauser ein Begriff. Die vier Steine auf dem Istenberg, deren Entstehung bis ins Devon vor 370 Millionen Jahren zurückgeht, sind Naturschutzgebiet und bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Unterhalb der Steine befindet sich der Hof vom Freiherr von Fürstenberg, wo sich Gastronomie, touristische Attraktion und ein kleines Informationszentrum vereinen. Dass sich in den historischen Fachwerkgebäuden auch eine kleine Brauerei verbirgt, erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Die kleine, aber feine Brauerei, in der mit einer Kompaktbrauanlage jährlich bis zu 600 Hektoliter Bier produziert werden, hat einen ganz eigenen Charme und ist nicht zu vergleichen mit den großen Brauereien, die Führungen zum Geschäftsmodell machen. Wer in die alte Meierei eintritt – einst eine landwirtschaftliche Einrichtung – befindet sich direkt im Herzen der Brauerei. Wo vor einigen Jahrzehnten noch glückliche Kühe gestanden haben, findet man heute zwei große Lagertanks mit einem Volumen von je 20 Hektoliter, eine Kühlanlage und eine Maschine für die Wasseraufbereitung. Dazwischen ein paar Stehtische, wo manchmal Besuchergruppen empfangen werden, die auch einmal in den Genuss des hofeigenen Bieres kommen möchten. So war es der Bornstein, mit 92m der Größte der Bruchhauser Steine, der dem Bier seinen Namen geschenkt hat. Bornsteiner Landbier „Hell“ und „Spezial“, ein dunkles Bier, sind die beiden gängigen Sorten. Hinzu kommen zwei Saisonbiere, eins für das Frühjahr, eins für den Winter. Geschmacklich, aber auch optisch, lässt sich das Bier aus Bruchhausen deutlich von anderen, handelsüblichen Produkten unterscheiden. Es schmeckt süffig, nicht herb, es ist naturtrüb und sehr bekömmlich. „Es ist ein Genussbier und darauf legen wir Wert“, sagt der Freiherr von Fürstenberg.
Das Bornsteiner Bier ist ein Naturprodukt: „Das Wasser, mit dem wir unser Bier brauen, kommt aus einer Quelle unterhalb der Bruchhauser Steine. Das Wasser fließt bergab, ganz ohne technischen Aufwand. Das wollten wir nutzen.“ Die weiteren Ingredienzien – Hopfen, Malz, Gerste und Hefe – werden sorgfältig ausgewählt, die Qualität des Bergquellwassers regelmäßig überprüft. Die Zusammensetzung bleibt jedoch das Geheimnis eines jeden Braumeisters.

Brauerei in Bruchhausen
„Es ist ein Genussbier und darauf legen wir Wert“, sagt der Freiherr von Fürstenberg.

Als Konkurrenz sehe man die namhaften Biermarken nicht: „Die großen Brauereien haben die Zapfhähne unter Kontrolle. Aber oft ist ja noch ein zweiter da“, sagt der Freiherr von Fürstenberg und lacht. Das Bornsteiner Bier geht nicht auf große Reise um die Welt, sondern wird hauptsächlich über die vielen regionalen Theken gereicht: „Wenn wir unser Bier in die ganze Welt verschicken würden, müssten wir es pasteurisieren und somit haltbar machen. Mit Reinheitsgebot hat das, genau genommen, nicht mehr viel zu tun. Wir belassen es bei unserem Naturprodukt und verkaufen es in der Region, für die Region. Unser Bier ist Heimat“.

Trend: „Craft Beer“

Durch die vielen kleinen Brauereien erfährt das Bier als Getränk an sich eine Aufwertung vom Massen- zum Genussprodukt. Seit geraumer Zeit ist das „Craft Beer“, im wahrsten Sinne des Wortes, in aller Munde. Beim „Craft Beer“, frei übersetzt einem „handwerklichen Bier“, geht es den Brauern häufig um eine Unabhängigkeit von großen Brauereien, um neue und somit fast familiäre Braustile oder einfach um die Idee, dem Bier einen neuen, eigenen Geschmack zu verleihen. Auch das Konzept der Hofbrauerei Bruchhausen lässt erkennen, dass es nicht darum geht, große Mengen von Bier herzustellen, um damit einen hohen Gewinn zu erzielen, sondern darum, das Produkt zu etwas qualitativ Besonderem zu machen. Besonders wird es dadurch, dass der Konsument weiß, was drin ist, wo es herkommt und wer es gemacht hat.

Aus all dem macht der Freiherr von Fürstenberg kein Geheimnis, das muss er auch nicht, schließlich wird sein Bier seit 25 Jahren erfolgreich verkauft. Bald produziert die Hofbrauerei Bruchhausen wieder ihr „Lenz“ – ein Frühjahrsbier mit hohem Malzanteil. Von dem Gutscafe aus, das sich wie die Brauerei in der alten Meierei befindet, kann man sogar einen Blick auf die Brauanlage werfen. Wer in gemütlicher Runde die Möglichkeit hat, das Bornsteiner zu kosten, sollte sich dies nicht nehmen lassen.

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