Julia (8) hat sich eine Blume als Motiv ausgesucht. Blumen findet sie toll, besonders Sonnenblumen. Lasse (9) ist von dem Fisch ganz begeistert, dem geheimen Erkennungszeichen der ersten Christen. Die beiden besuchen die Sonnenschule in Attendorn und gehen in diesem Jahr zur Erstkommunion.

In der Zeit der Vorbereitung darauf schmieden sie ihre Kreuzanhänger selbst. Wie das geht, zeigt ihnen die Gold- & Silberschmiedemeisterin Ursula von Sobbe-Bitzer aus Olpe. Sie hat ihre mobile Schmiedewerkstatt mitgebracht, die im Esszimmer von Tischgruppenvater Martin Pursian aufgebaut wird. Er und seine Mitstreiterin, Tischgruppenmutter Daniela Franzes, haben ein paar Mobiliare zur Seite geräumt und mit Schokolade, Gummibärchen und Saft für ausreichend Verpflegung gesorgt. Es wartet ein ereignisreicher Nachmittag!

„Mit den Kommunionkindern arbeite ich mit Kreuzrohlingen. Ältere Kinder können das Kreuz auch von Grund auf gestalten. Die gewünschte Form wird dabei auf Silberblech übertragen, ausgesägt und dann weiterbearbeitet wie die Rohlinge“, erklärt die Meisterin, die aus einer traditionsreichen Paderborner Juwelierfamilie stammt. Dreizehn verschiedene Rohlinge hat sie mitgebracht, in unterschiedlichen Größen und Formen: fein, filigran, verspielt oder puristisch robust. Gut zwei Stunden wird es dauern, bis die schützenden Begleiter fertig sind und die Kinder sie – zumindest probeweise – umhängen können. Lasse hat sich dazu ein Lederband ausgesucht. Das findet er viel cooler als eine Gliederkette. Bis es aber soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Zum Schmieden braucht es Kraft, ein bisschen Geschick und auf jeden Fall Geduld.

Der Schmiedetisch hat sechs Plätze, die jeweils mit einem Ledersack versehen sind, der Silberstaub und -späne auffängt. Mit Feile und Schmirgel muss zunächst die raue, noch ungleichmäßige Oberfläche der Kreuze entfernt und geglättet werden. Danach gibt es viele Möglichkeiten, die Oberfläche weiter zu bearbeiten. Mit Hammertechniken, Einsägen von Linien oder dem Fräsen und Einstempeln von Motiven. So wie die Blume von Julia oder der Fisch von Lasse. Ursula von Sobbe-Bitzer erklärt, unterstützt, gibt Tipps und Ratschläge und greift immer dann ein, wenn es für die Kinder zu schwierig wird. Und dann sind da ja auch noch die Tischmutter und der Tischvater, die helfend zur Seite stehen. Martin hat zu einer zierlichen Säge gegriffen. Der neunjährige Joel möchte in sein Kreuz feine Linien einsägen und braucht etwas Hilfe. Es ist eine sehr kniffelige Angelegenheit. Auch für Martin. So ein kleines Kreuz in einer so großen Hand!

Feilen, schmirgeln, sägen: Die Kinder sind emsig und ganz konzentriert bei der Sache. Manchmal muss die Gold- & Silberschmiedin mit einem Lötkolben ran. Das übernimmt sie selbst. Beim Finish, so nennt die Schmiedemeisterin die letzten Schritte, werden die Kreuze auf Hochglanz poliert oder mattiert. Und als kleine Erinnerung werden noch der Name und das Datum der Erstkommunion eingraviert. Seit sechs Jahren bietet Ursula von Sobbe-Bitzer Schmiedekurse an. Kreuze zur Kommunion und Konfirmation, Eheringe oder andere Schmuckstücke – für ganz besondere Ereignisse möchten immer mehr Menschen ihre Persönlichkeit einbringen.

„Dadurch, dass die Kinder so viel Zeit und Energie investieren, bekommt ihr Kreuzanhänger noch einmal einen ganz besonderen Wert“, findet Gemeindereferent Alexander Müller. Das Schmieden der Kreuze sei ein tolles Beispiel dafür, sich kreativ mit Kirche zu beschäftigen. Seit einem halben Jahr verstärkt der 28-jährige das Team im Pastoralverbund Attendorn und begleitet die Kommunion-vorbereitungen. „Gemeinschaft ist uns wichtig“, sagt er. Schließlich bedeute Kommunion nichts anderes, als in Gemeinschaft der Gläubigen zu feiern. „Unsere Gruppe ist richtig zusammen gewachsen“, freut sich Tischgruppenmutter Daniela.

Glaube tut gut

Wenige Tage vorher hatte die Kommuniongruppe die Backstube des Attendorner Bäckermeisters Ralf König besucht. Denn natürlich ist das Brot als zentrales Symbol des Lebens und des Glaubens Thema während der Vorbereitungszeit. Nun wollten die Kinder sehen, wie ihr Brot gemacht wird. Kleine Ostersemmeln warteten darauf, in den Ofen geschoben zu werden und während der Backzeit führte der Bäckermeister die Kommunionkinder durch die Backstube. Da durfte auch mal probiert werden. Mit einem Stück Teig zeigte Ralf König, wie der traditionsreiche Attendorner Ostersemmel geformt wird und zum Abschied bekam jedes Kind das frische Gebäck geschenkt. „Das war in diesem Jahr schon die dritte Kommuniongruppe“, hat der Bäckermeister sichtlich Freude daran.

WOLL Sauerland - Attendorner Kommunionkinder schmieden ihre Kreuzanhänger selbst
Die Kinder der Kommunionsgruppe von links:
vorne – Lasse Pursian, Finn Bogdanski, Jana Rüsche, Julia Pöggeler, Luca Franzes
hinten – Joel Reuber, Madita Hesener, Jonas Funke, Marie Strem

Viel haben die Kinder erlebt und gelernt. Die Seelsorgestunden in der Schule, Weggottesdienste und die Tischgruppenstunden. Sie haben Kerzen gestaltet und auch den Ablauf eines Gottesdienstes und Grundlegendes wie Kreuzzeichen und Gebete geübt. Das Können und Wissen darum ist nicht selbstverständlich, weiß Alexander Müller. „Das ist eine gesellschaftliche Realität, auf die wir eingehen müssen.“

Das Arbeiten mit Kindern findet er besonders motivierend. „Sie lassen sich begeistern, haben Freude daran, etwas zu tun und spüren dabei, dass Glaube gut tut“, erklärt er. Gerade in der heutigen Zeit, in der es oftmals an Ruhe und Stille und Zeit zur Reflektion fehle und man auf der Suche nach Sicherheit und verlässlichen Werten sei. „Da hat Kirche viel zu bieten.“

„Wenn unsere Kommunionkinder zu ihrer ersten heiligen Kommunion vor den Altar treten, liegen viele Wochen der Vorbereitung hinter uns“, so Tischvater Martin Pursian. „Wir haben aus der Bibel vorgelesen, die Kinder haben viel gebastelt und so spielerisch auch etwas über den Glauben gelernt. Es hat Spaß gemacht, die Kinder dabei zu begleiten!“ Darin sind sich Daniela Franzes und Martin Pursian einig.

Zweifelsohne, nach wie vor ist die Erstkommunion für die Kinder und ihre Eltern ein großer Tag. Festliche Kleider und mit Blumen geschmückte Hauseingänge künden von dem ganz besonderen Ereignis. Verwandte, Freunde, Bekannte und Nachbarn kommen zu Besuch, es gibt ein festliches Essen, viele Geschenke und dabei passiert es manchmal, dass der eigentliche Sinn etwas in den Hintergrund rückt. Ihr kleines, mit den eigenen Händen selbst gestaltete Kreuz aber wird die Attendorner Kommunionkinder immer begleiten. „Diese Erinnerungen werden ein ganzes Leben halten“, sagt Alexander Müller. „Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man zurückschaut und sich vergegenwärtigt, was einen motiviert.“

von B. Engel [Text] und G. Cramer [Fotos]

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