Am Ende der Welt: Ein „Kap Hoornier“ im Yacht-Club Lister

0
Die offizielle deutsche Delegation der 400-Jahr-Feier am Albatros-Denkmal.

Kap Hoorn ist eine der letzten Herausforderungen des Segler-Lebens. Fahrtensegelwart Eckhard Follmann vom Yacht-Club Lister (YCL) hat sie angenommen und ist mit tollen Eindrücken und Erfahrungen heim gekehrt.

Kap Hoorn ist Luftlinie ca. 13.800 km vom Yacht-Club Lister entfernt. Zur Zeit ist es am südlichsten Zipfel der Erde recht „warm“, da dort Sommer ist. Am Kap herrschen auf Grund des subpolaren Einflusses im Sommer wie im Winter ähnliche Temperaturen, im Januar ca. 8°C, im Juli ca. 5°C. Selten wird es wärmer als 12 –13°C. Der Wind kommt im chilenischen Sommer meist aus westlichen Richtungen und weht recht konstant mit 5 Windstärken. Im Winter geht es in der Regel heftiger zu. Das hört sich für einen gestandenen Segler noch nicht so schlimm an. Bis man jedoch das Kap erreicht hat, muss man sich durch sturmgefährdete Gewässer kämpfen. Vom Atlantik zum Pazifik muss man als Segler ständig gegen die gefährliche Westdrift kreuzen und das bei hoher und rauher See, Regen und Kälte. Auf Grund der Nähe zum Südpol spielt außerdem die Kompassnadel verrückt und auch das GPS wartet mit „lustigen“ Ideen auf. Es zeigt beispielsweise eine Landüberquerung an, obwohl man sich in Wirklichkeit auf See und bei 400m Wassertiefe befindet.

Auch Seekarten sind Mangelware. Entweder man kennt sich aus oder man erleidet aller Wahrscheinlichkeit nach Schiffbruch. Und da soll Segeln Spaß machen? JA! Kap Hoorn ist eine Herausforderung und eine Augenweide! Wo kommt man den Naturgewalten so nahe wie dort? Es gehört zu den gefürchtetsten Schiffspassagen, wodurch es dazu beitrug, dass sich eine Gemeinschaft der „Kap Hoorniers“ gründete. Zum Gedenken an die vielen gesunkenen Schiffe und Seefahrer wurde das Denkmal eines stilisierten Albatros im Dezember 1992 eingeweiht. „Das muss man mit einem Skipper machen, der sich dort auskennt“, so Eckhard Follmann bei der begeisterten Berichterstattung nach seiner Heimkehr.

Segel-Mitglied Eckhard Follmann
Segel-Mitglied Eckhard Follmann

E. Follmann besegelte die südlichen Gefilde daher in Form von Kojencharter.

Der Skipper an Bord war früher 6 Jahre im Dienst der Marine im Archipel Feuerland und war dort u.a. als Leuchtturmwärter auf Kap Hoorn eingesetzt. Er kennt die Gewässer wie seine Westentasche. Gesegelt wurde auf einer ca. 17 m langen Stahlyacht (Reinke 16M), einem schnellen Fahrtenschiff mit hoher Kentersicherheit.

Der Törn startete in Puerto Williams, wo E. Follmann nach seiner Landung auf dem örtlichen Flughafen zunächst Kontakt zum südlichsten Yacht-Club der Welt aufnahm. Unvergessen bleiben die Berichte der dortigen Jugend, deren wichtigster Raum im Clubhaus der Trockenraum ist. Bei einer Wassertemperatur von ganzjährig 4 – 5°C ist ein Trockenanzug hier unverzichtbar. Im Gegensatz zum beschaulichen Biggesee haben die Kinder in dieser Region während ihres Trainings immer Aussicht auf schneebedeckte Berge und hin und wieder schwimmt vielleicht auch eine Eisscholle vorbei.

Von Puerto Williams startete die Crew der Reinke 16M zur Umrundung des Kaps. Ein Ereignis ganz besonderer Natur war die am 29. Januar zelebrierte400- Jahr-Feier des Kap Hoorns. Acht Segelboote aus sieben Nationen, u.a. die Reinke 16M mit deutscher Besatzung, waren Teil der offiziellen Zeremonie. Die chilenischen Marine richtete diese besondere Feier mit internationalen politischen Gästen aus und ließ den Tag zu einem einmaligen Erlebnis werden. Die Besatzung der Reinke wurde im Anschluss an die Feierlichkeiten von der chilenischen Marine mit Schlauchbooten zur Insel Isla de Hornos gebracht, um das Albatros-Denkmal zu besuchen.

Der 12-Tage-Törn führte die Segler im Anschluss noch nach Patagonien, zu den Gletschern Feuerlands. Auch hier begegnen einem neben dem atemberaubenden Panorama schon ein paar Eisschollen im Wasser. Nach diesen Eindrücken fällt es schwer, wieder in den Flieger nach Hause zu steigen. Doch die gesammelten Erfahrungen und Kontakte hat Fahrtenwart E. Follmann mitgenommen und in den heimischen Club an der Bigge gebracht.

Am Samstag konnte er den Wimpel der Jugend aus Puerto Williams an die YCL-Jugendwartin Ivonne Zimmermann-Fabricius übergeben. Der Wimpel des YCL hat dafür im Yachtclub „Milcalvi“, dem südlichsten der Welt, seinen Platz direkt über der dortigen Club-Bar gefunden. Sowohl der YCL als auch der Milcalvi sind sehr an einem internationalen Jugend-Austausch interessiert.PM-YCL-Kap-Hoorn-01

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here