Reisefotografie: Ein Sauerländer in der weiten Welt

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EIN ABSTECHER IN DEN PAZIFIK mit Reise- und Naturfotograf Dieter Gandras

In der aktuellen Print-Ausgabe des WOLL-Magazins rund um Bigge- und Listersee haben wir eine kleine Reisefotografie-Serie begonnen: Der Sauerländer Reise- und Naturfotograf Dieter Gandras ist auf allen Kontinenten schon ordentlich herumgekommen. Für uns öffnet er sein Bilderarchiv und erzählt in den nächsten Ausgaben von manchen Fleckchen auf dieser Erde, wo man nicht mal eben so vorbeikommt … mehr unter www.dieter-gandras.de.

Auf der südlichen Erdhalbkugel, im Pazifischen Ozean, liegt 750 Kilometer vor der Küste Chiles der Archipel Juan Fernandez. Er besteht aus nur drei kleinen, vulkanisch entstandenen Inseln. Da die Inselgruppe weit außerhalb der küstennahen Segelrouten lag, wurde sie erst am 22. November 1574 durch Zufall von einem spanischen Schiff entdeckt und nach dessen Kapitän benannt.

Die Hauptinsel Mas a Tierra (Näher zum Land) ist 96 Quadratkilometer groß. Sie ist schroff gebirgig und wird vom Cerro el Yunque mit 915 Meter Höhe überragt. Die Form der Insel mit der kleinen, nahe gelegenen Isla Santa Clara ist halbmondförmig und es ist unzweifelhaft, dass es Reste eines riesigen Vulkankraters sind, der seit seiner letzten Eruption vor ein bis zwei Millionen Jahren langsam wieder im Ozean versinkt.

Die Hauptstraße in San Juan Bautista
Die Hauptstraße in San Juan Bautista

Die Hänge sind dicht bewaldet und wegen der Abgeschiedenheit hat sich hier eine sehr spezielle Natur über die Jahrtausende entwickelt. Von den 158 vorkommenden Pflanzenarten sind 112 endemisch. Das bedeutet, dass sie nur hier vorkommen. Selbst bei den Vögeln finden wir unter den 41 Arten sechs, die es nur hier gibt. Der schönste ist ein Kolibri, dessen Männchen leuchtend orange ist und das Weibchen überwiegend blau-grau. Deshalb wurden sie lange für zwei Arten gehalten, bis man ein erstes Nest in den dichten Farnwäldern fand.

Rotfußtölpel (Sula sula)
Rotfußtölpel (Sula sula)

Der auffälligste Seevogel ist der Rotfußtölpel. Seit 1935 ist die Insel Nationalpark und seit 1977 Biosphärenreservat der UNESCO. Dieses ehemalige Paradies ist heute jedoch durch von Menschen eingeschleppte Tiere (Ziegen, Kaninchen, Ratten u. a.), schnell wachsende Baumarten, vornehmlich Eukalyptus aus Australien, und wuchernd überdeckende Bodenpflanzen, hier vor allem die europäische Brombeere, stark gefährdet.

Das umgebende Meer ist infolge des kalten Humboldtstromes, der von der Antarktis kommend an der südamerikanischen Küste nach Norden zieht, sehr fischreich und an den Küsten tummeln sich wieder zahlreiche Südliche Seebären. Diese große Robbenart kommt nur im Kaltwasser zwischen Äquator und Antarktis vor. Sie wurde wegen ihres wertvollen Pelzes in den letzten beiden Jahrhunderten intensiv bejagt und war weltweit fast ausgerottet.

Mas a Tierra ist die größte der drei Inseln und war lange Gefangeneninsel, bevor sie ab 1877 fest besiedelt wurde. Auf der Insel wohnen aktuell ca. 800 Menschen, fast alle in der Stadt San Juan Bautista (Heiliger Johannes der Täufer). Es sind überwiegend Fischer, denn die Haupterwerbsquelle sind die großen Langusten, die bei Feinschmeckern als die Besten der Welt gelten. Sie werden von dem kleinen Flugplatz im Westen der Insel regelmäßig abgeholt. Als Tourist erreicht man die Insel ausschließlich per Schiff. Da es nur eine kleine Anlegebrücke gibt, muss man von großen Schiffen mit Tenderbooten anlanden. Das ergibt eine weitere Einnahmequelle durch Fischgastronmie und Souveniers.

die Silhouette von Isla Robinson Crusoe
m Morgengrauen taucht die Silhouette von Isla Robinson Crusoe am Horizont auf.

Weltbekannt wurde die Insel, weil hier 1704 der schottische Seemann Alexander Selkirk von dem Kapitän seines Freibeuterschiffes wegen permanenter Streitigkeiten ausgesetzt wurde. Vier Jahre und vier Monate lebte er in völliger Einsamkeit auf dieser Insel, bis 1709 ein anderes britisches Schiff anlandete und ihn zurück nach Großbritannien brachte. Hier wurde seine Geschichte dann in einer Zeitschrift veröffentlicht. Der Schriftsteller Daniel Defoe ließ sich davon zu seinem Roman „Robinson Crusoe“ inspirieren. Die Handlung des Buches ist jedoch stark verfremdet. Defoe verlegt sie in die Karibik, wo Selkirk als Einziger den Schiffbruch im Sturm überlebt und dann weit abgetrieben auf einer Insel vor Brasilien strandet. Hier lebt er 28 Jahre. Auch die Erzählung von den immer wiederkehrenden Kannibalen ist frei erfunden, da von Mas a Tierra aus gesehen die nächste Insel die Isla de Pascua (Osterinsel) ist, fast 3.000 Kilometer weiter westlich. 1966 hat Chile die Insel in „Isla Robinson Crusoe“ umbenannt.

Ein deutsches Drama hat sich während des Ersten Weltkriegs dort abgespielt, als der Kreuzer Dresden am 14. März 1915 in der Cumberlandbucht nahe vor San Juan Bautista von drei englischen Kriegsschiffen beschossen wurde. Das Setzen der weißen Flagge und Verhandlungen durch den bekannten späteren Admiral Canaris, weil sich das Schiff in chilenischem Hoheitsgewässer befand, blieben erfolglos. Daraufhin wurde das Schiff auf Geheiß von Kapitän Lüdecke unter „Hochrufen auf Seine Majestät, den Kaiser“ selbst versenkt. Bei dem Angriff wurden acht Marinesoldaten tödlich getroffen. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem dortigen Friedhof. Der Rest der Mannschaft geriet in chilenische Gefangenschaft.

Crusoe 4 - Foto: Dieter Gandras - Reisefotografie

von D. Gandras [Text/Fotos]

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