WOLL-Dorf Römershagen

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WOLL Sauerland Roemershagen
Römershagen, 1144 erstmals erwähnt, hatte ehemals eine große Bedeutung als Wallfahrtsort, Grenz- und Zollort und war Sitz eines Freigerichtes. Kaiser Sigismund soll hier einst Freischöffe und 1414 zu Besuch gewesen sein. Aus historischer Sicht besonders interessant ist die Kirche. Noch immer werden die Verstorbenen rund um das Gotteshaus begraben. Und auch sonst gibt es einige interessante Details. Am besten hinfahren und gucken. Weithin bekannt ist heute der Jakobimarkt, den die Frauengemeinschaft (kfd) wieder aufleben ließ. Der Erlös aus dem Verkauf von Kaffee, Kuchen und Eingemachtem wird gespendet. Der Kassensturz beläuft sich auf über 40.000 Euro. In diesem Jahr findet der Markt am 20. September statt.

Die Damen „Aus Heim und Garten“ gehören zu jenen Menschen, die ihr ehrenamtliches Engagement nicht gerne an die große Glocke hängen. Dabei sind sie fast das ganze Jahr im Einsatz und verwandeln Obst und Gemüse aus heimischen Wäldern und Gärten für den guten Zweck in lauter feine Sachen. Viele Tausend Gläser sind davon schon auf dem Jakobimarkt in Römershagen verkauft worden. In den Genuss von Eingemachtem kommt auch WOLL auf seinem Besuch in dem 200-Seelen-Ort am südlichen Zipfel der Gemeinde Wenden, gelegen in 410 Meter Höhe an der Nordseite der Wasserscheide von Rhein und Ruhr, die einst eine natürliche Grenze zwischen Sachsen und Franken markierte. Hier in Römershagen entspringt die Bigge, der größte Zufluss der Lenne, dem wiederum wasserreichsten und wichtigsten Zufluss der Ruhr.

WOLL Sauerland Roemershagen
Fröhlich und fleißig für den guten Zweck: Die Damen „Aus Heim und Garten“, eine Untergruppe der Frauengemeinschaft.

Empfangen werden wir mit frischen Waffeln und wunderbar leckerem Likör aus dem Vorrat der behänden Küchenfeen. Direkt am Löschweiher, der von der Biggequelle gespeist wird, bietet sich eine prima Gelegenheit zum Kaffeeklatsch. Durch den Schatten der Bäume weht der Duft von gemähter Wiese. In Hecken und Büschen hat sich eine reiche Fauna angesiedelt – eine malerische Idylle. Für die Pflege sorgt besonders Werner Duwe, die „Seele des Dorfes“, wie die Damen sagen. Aber der will davon nichts wissen, winkt la-chend ab und zeigt die ortstypische Wesensart – bescheiden und fröhlich.

Schaut man in die Geschichte von Römershagen, dann müssen die Bewohner wohl schon immer von aufgeschlossenem Schlag gewesen sein. Der kleine Ort, gerade einmal ein Fleck auf der Landkarte, kann viel erzählen und hatte in seiner langen Vergangenheit metropolitanen Charakter. Wegen seiner Grenzlage im südlichen Teil des Herzogtums Westfalen war er für den Landesfürsten in Köln bedeutende Zollstation, Sitz eines Freigerichtes, ein bedeutender Wallfahrtsort sowie lebhafter Markplatz, kamen hier doch immer viele Menschen zusammen. Hier kreuzten sich die mitteleuropäischen Fernhandelswege Hileweg und Brüderstraße, letztere Teil im Netz des berühmten Jakobsweges. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Römershagen, die im Zuge der kommunalen Neugliederung Ende der 1960er-Jahre Teil der Gemeinde Wenden wurde, zeigt unter anderem die Jakobsmuschel und weist den Ort als Pilgerstation aus.

Im Jahr 1854 endete die große Jahrmarkttradition in Römershagen, die seit 1605 als Jakobimarkt belegt ist. Dazu bei trug die preußische Kunststraße Koblenz–Minden. Vor 19 Jahren aber ließ die örtliche katholische Frauengemeinschaft den Markt wieder aufleben. Mit großem Erfolg: Liebhaber von Handgemachtem stehen buchstäblich Schlange, ebenso wie die Aussteller, die ihre Erzeugnisse anbieten wollen. Mittendrin die Damen „Aus Heim und Garten“ mit ihren Likören, Relishes, Chutneys, Saucen, Gelees und Marmeladen.

Die eingemachte Natur trägt das Bild der Römershagener Kirche, die sich aus geschichtlicher Sicht besonders interessant macht und an unruhige Zeiten an politischer Grenze erinnert. Der mächtige Steinturm ist wohl Teil einer mittelalterlichen Wehranlage, eine sogenannte Motte, oder sogar schon als Grenzfestung in den Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Franken entstanden. Die Lage im sumpfigen Quellgebiet statt auf der Höhe stützt die Annahme. Erwähnenswert ist auch, dass der Ort ab etwa 1660 eine der ersten Schulen in Westfalen hatte. Und noch früher gab es eine Gastwirtschaft. Schließlich brauchten die Wallfahrer und Kaufleute Bett, Brot und Bier. Bekannt ist ein gewisser Wirt Noldt (ab 1611). Bis in die 1970er-Jahre war die Gaststätte der Familie Wurm über 100 Jahre lang sozialer Treffpunkt, ab 1889 mit Poststelle, dann erstem Telefon und schließlich auch Bürgermeisterhaus. Der letzte Bürgermeister, Heinrich Wurm, wurde erster Ortsvorsteher des Dorfes nach der kommunalen Neugliederung.

Seit einigen Jahren wohnt der jetzige Ortsvorsteher, Hermann Schymura, in dem Haus. Heute gibt es weder Schule noch Gaststätte in Römershagen. Aber was macht das schon. Es ist doch das Heimat- und Lebensgefühl, das unsere Region so prägt. Und das spürt man in vorbildlicher Weise in Römershagen. Gestaltet wird es von den örtlichen Vereinen, wie dem Dorfgemeinschaftsverein, der Frauengemeinschaft und dem Schützenverein. „Bei uns geht alles Hand in Hand. Der eine kann ohne den anderen nicht“, so die Römershagener. Wenn man sich nicht am Teich trifft, dann in der örtlichen Schützenhalle, im Übrigen die einzige in der Gemeinde Wenden. Hier findet auch der alljährliche Jakobimarkt statt. Dann zieht der kleine Ort wieder überregionale Aufmerksamkeit auf sich.

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Größter Verein ist der Schützenverein, der erfolgeich eine intensive Jugendarbeit betreibt.

von B. Engel [Text/Fotos]

 

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