Pfarrer Norbert Abeler über den Glauben, das Leben, Gott und die Welt

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WOLL Sauerland Pfarrer Norbert Abeler

Pfarrer Norbert Abeler (58) ist ein Spätberufener. Nach seinem BWL-Studium und einigen Jahren als Geschäftsführer des familieneigenen Unternehmens studierte er Theologie und erhielt mit 38 Jahren die Priesterweihe.

Nun verlässt er den Pastoralverbund Olpe-Biggesee und übernimmt ab Oktober 2015 die Seelsorge an den deutschsprachigen Gemeinden in Lissabon und Porto in Portugal. In der Region liegt auch Fatima, einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche. WOLL hat mit ihm vor seiner Abreise eine Tasse Kaffee getrunken.

Herr Abeler, zunächst einmal grundsätzlich: Was macht eigentlich einen guten Priester aus?
Dass das, was er lebt und verkündet, mit der Botschaft des Evangeliums übereinstimmt. Kurzum „Heiligkeit“.

Das ist ein großes Wort.

Es beschreibt Echtheit, die auf Jesus Christus ausgerichtet ist. Einer der schlimmsten Irrtümer über das Christentum liegt in der Vorstellung, Christ sein bedeute zuerst, man müsse vor allem Gebote halten. Die Botschaft des Evangeliums ist aber eine ganz einfache und wesentliche: Es gibt einen Gott, der uns liebt und sich in Jesus Christus offenbart hat. Es geht in erster Linie um Begegnung, das Leben in einer Freundschaft. Die Moral ist gewissermaßen das Geländer, das uns helfen soll, die Freundschaft zu bewahren. Und da können wir ruhig unsere menschlichen Erfahrungen aus Freundschaft und Liebe auf unser Verhältnis zu Christus übertragen. Nach dem Motto: Die Freundschaft, die mir angeboten wird, ist echt und ich fühle mich wohl damit.

Sie sind ein freiheitsliebender Mensch, fahren Motorrad, segeln, sind Jagdhornbläser. Engt Priester sein auch ein?
Wer sich bindet, engt sich ein. Die Frage ist aber doch, was Freiheit ist. Wir sprechen gerne von einer Freiheit von, aber selten von einer Freiheit für, zum Beispiel von der Freiheit, eine Bindung eingehen zu können.

Man darf als Priester also auch glücklich sein …
Die Fröhlichkeit des Don Bosco war das Markenzeichen seines Lebensweges.

In Portugal übernehmen Sie die Auslandsseelsorge für die Gemeinden Lissabon und Porto und damit auch Fatima. Freiwillig oder gerufen?
So etwas bekommt man nur freiwillig. Und im Jubiläumsjahr 2017 – 100 Jahre Marienerscheinungen von Fatima – dort arbeiten zu dürfen, ist wahrhaftig wie ein Sechser im Lotto.

Was ist Ihre Aufgabe und wo setzen Sie Schwerpunkte? Oder sollen wir in einem Jahr nochmal fragen?
Meine Aufgabe ist die Seelsorge für deutschsprachige Katholiken, die aus unterschiedlichsten Gründen dort leben. Manche auf Dauer, manche nur für ein paar Wochen, so wie die, die von ihren Firmen dorthin geschickt werden und heute in Lissabon, morgen in Tokio und übermorgen in Chile sind, oder eben auch Touristen und Pilger. Ein Miteinander in der gemeinsamen Sprache, in einem gemeinsamen kulturellen Umfeld und ein Ort, an dem man sich festmachen kann, tun gut. Aber fragen Sie ruhig in einem Jahr noch mal. Das Allererste wird tatsächlich sein, die Menschen kennenzulernen. Zudem habe ich noch eine reizvolle, wenn auch nur kleine Nebenaufgabe. Die Militärseelsorge für die ganze Iberische Halbinsel.

Zu den Prophezeiungen an die drei Hirtenkinder von Fatima schrieb Joseph Ratzinger einmal, dies sei keine Frage einer normalen äußeren Sinneswahrnehmung und auch keine fromme Einbildung, sondern ihre Seelen seien von etwas Realem berührt. Kann man so etwas begreifen?
Für mich ist es nachvollziehbar, weil in meiner persönlichen Berufungserfahrung genau so etwas passiert ist. Es ist eine Wahrnehmung abseits der klassischen fünf Sinne, die aber eine große Sicherheit erzeugt und keine Zweifel braucht. Maria benutzt nicht das Telefon, man kann sie nur mit dem Herzen hören.

Sie sprechen gerne davon, dass wir unsere „Kreuze“ tragen können. Können wir das wirklich?
Wir kommen am Kreuztragen nicht vorbei und es hat auch keinen Einfluss, was wir glauben und was nicht. Die Kreuze waren schon immer in der Welt und bleiben in der Welt. Man kann nur versuchen zu lernen, sie zu tragen. Dabei aber kann der Blick auf das Kreuz Christi ganz große Hilfe sein.

Stellt sich die Frage nach der Theodizee, also warum Gott das Schreck-liche, das Leiden zulässt?
Geistesgeschichtlich machen wir gerade eine kopernikanische Wende nach rückwärts. Der Mensch hat sich immer als Gott untergeordnet wahrgenommen und als jemand erkannt, der auf Gott ausgerichtet ist. Oder, heidnisch gesagt: den Göttern zu dienen hatte. Jetzt ist es umgekehrt. Der Mensch stellt sich selbst ins Zentrum und sagt, die Bedeutung Gottes kommt für ihn daher, dass Gott den Willen des Menschen erfüllt. Und wenn er das nicht tut, hat er auch keine Bedeutung. Wenn also Gott nicht verhindert, dass die Menschen Kriege führen, dass sie sich untereinander Böses antun, dass Kinder verhungern müssen, dann hat er auch keinen Anspruch auf Verehrung.

Der Mensch schafft sich aber nicht selbst, auch wenn es ihm immer mehr zum Anliegen wird. Im Verhältnis zu der Geschichte des Universums ist die Geschichte der Menschheit weniger als Fingerschnippen.

Welchen Stellenwert hat für Sie das Sauerland?
Das Sauerland ist für mich Heimat. Ich bin in Hagen geboren und aufgewachsen. Von Kindertagen an habe ich die Sonntagsnachmittagsausflüge der Familie genossen, die uns so oft ins Sauerland geführt haben.

Es besteht im Übrigen eine Verbindung zwischen Lissabon und Olpe. In der Festung Sao Juliao da Barro bei Lissabon ist der Jesuit und Märtyrer Rötger Hundt, Sohn des Olper Bürgermeisters Augustinus Hundt und seiner Frau Margarethe, geb. Liese, begraben. Unter Marquis von Pombal wurde er eingekerkert und starb 1773. In Olpe ist ja auch eine Straße nach ihm benannt. Ich hoffe, dass mich ganz viele Olper besuchen kommen und wir auch über die Person Rötger Hundt mehr erfahren.

WOLL Sauerland Wallfahrt
Norbert Abeler rief die hiesige Motorradwallfahrt ins Leben. Sein Motorrad nimmt er mit, die Wallfahrt bleibt.

von B. Engel [Text/Foto] und N. Abeler [Foto]

 

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