Rentnerstammtisch der früheren „Attendorner Zapfer“

Erlebnisreiche Zeiten haben die ehemaligen Wirte hinter sich

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WOLL Sauerland Wirteverein
Rentnerstammtisch der ehemaligen Wirte (von links): Martin Kopmann, Hetty Staffeldt, Udo Staffeldt, Toni Vogt, Margret Vogt, Margret Struck, Georg Struck, Marita Kurafeiski, Horst Kurafeiski, Werner Johannes und Christel Johannes.

Heute sind sie nicht mehr im Dienst, aber über Jahrzehnte waren sie die Anlaufstelle für ihre Stammkunden und Gäste in Attendorn und im Repetal. Durst ist bekanntlich schlimmer als Heimweh. Deshalb galt es, den Durst der Gekommenen zu löschen. Und natürlich wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Gemeint sind die Attendorner Wirte, die sich im Ruhestand befinden und in regelmäßigen Abständen beim Senioren-stammtisch die alten Zeiten Revue passieren lassen. Selbst-verständlich wird auch über das Neueste in Stadt und Land philosophiert. Genau elf Personen sind es. Alles bekannte Namen, von denen jeder viel erlebte und berichten kann. So sagt Christel Johannes aus der früheren Stadtschänke im Gespräch mit dem WOLL-Magazin: „Wir haben malocht, aber auch viel Spaß gehabt.“ Auch Toni Vogt, genannt „Löwen-Toni“, zählt zum „erlauchten“ Kreis. Er war mit seiner Gaststätte mitten im Stadtkern und organisierte im Wirteverein 15 Jahre als Vorsitzender deren Belange.

Der Wirteverein wurde bereits im Jahr 1909 gegründet. Er ist also ein uralter Attendorner Verein, dessen Aktivitäten, das bedauert Toni Vogt, zur Zeit ruhen. Das war in seiner Glanzzeit weiß Gott anders. Das 75-jährige Bestehen im Jahr 1984 feierte man zum Beispiel mit „Pauken und Trompeten“. 1.200 Besucher waren zu diesem Ereignis in die Stadthalle gekommen. Da war für das leibliche Wohl zum Nulltarif bestens gesorgt. Bierverleger und Lieferanten hatten sich von ihrer großzügigen Seite gezeigt und die Gesangvereine der Hansestadt brachten zur Feier des Tages ein Jubiläums-Ständchen.

Auch die Brau- und Brennertage vom 8. bis 10. September 1995 sind bei den ehemaligen Wirten noch in Erinnerung. Veranstaltungsmittelpunkt war der Alte Markt. Es gab einen Attendorner Abend unter Teilnahme des MGV Sauerlandia, des Kirchenchores St. Josef und der Trachtenkapelle Fleckenberg. Die Kornbrennerei Krugmann aus Meinerzhagen demonstrierte an historischen Brenngeräten die Destillation von Schnaps und es gab einen musikalischen Frühschoppen bei frisch Gezapftem. Für die Blasmusik sorgte der Musikverein Schönholthausen, den Toni Vogt, aus diesem Ort gebürtig, verpflichtete. Dabei weiß er noch heute zu berichten, dass der Posaunist in den Brunnen vor dem Südsauerlandmuseum fiel. Beim Altstadtfest und beim Attendorner Herbst waren die Wirte Mitveranstalter. Wenn die Wirte auf Reise gingen, brach in Attendorn der gastronomische Notstand aus. An tolle Fahrten erinnern sich die „Zapfer“. Nach Mallorca, München, Hamburg, Berlin, Bamberg, Baden-Baden, Gera und Deidesheim ging es. Für die Organisation war der eigens bestimmt „Reisemarschall“ zuständig. Man schaffte eine Vereinsfahne an, die bei der Fahrt zum Kaiserstuhl erstmals mitgeführt wurde. Diese trägt das Attendorner Stadtwappen und das Wirtewappen.

Den Wirtestammtisch der Ehemaligen stellt das WOLL-Magazin hiermit im Einzelnen vor.

Beginnen wir mit Toni Vogt, der die Traditionsgaststätte „Zum Löwen“ im Jahr 1975 von Maria Neu übernahm.
Der gelernte Großhandelskaufmann war zuvor seit 1957
bei den Geschwistern Zanders, einem Großhandel für Gastronomieartikel, beschäftigt gewesen. Er ist gebürtiger Schönholthauser und seine Frau Margret kommt aus Deutmecke. Deshalb wurden beide zunächst als Büterlinge angesehen. Und da war dann der Anfang der Gaststätten-Ära schon schwerer. Jedoch spätestens seit 1981 sind beide dann voll integriert, denn in diesem Jahr wurde Toni Vogt Vogelkönig der Attendorner Schützengesellschaft 1222 und seine Margret erkor er zur Königin.
Das Wirteehepaar war von Anfang an mit einer ansprechenden Speisekarte dabei. Im Laufe der Zeit besonders beliebt: die „Löwen-Toni-Frikadelle“. Zahlreiche Stammtische etablierten sich. So der Wanderclub Biggesee, die ehemaligen Hausärzte, die Königskompanie und Kegelclubs. Donnerstags fand die „Blaue Stunde“ statt. Dann mußte Margret Vogt auch schon mal die Gebetbücher aus der Wohnung holen, damit die Kirchenlieder richtig geschmettert wurden. Etwas über 30 Jahre betrieben sie die Gaststätte in der Kölner Straße.

 

An der Kampstraße übernimmt 1975 Horst Kurafeiski die Gaststätte Remmenstein. Der gelernte Metzger wird schnell aufgrund seiner hausmacher Spezialitäten bekannt. Ihm zur Seite steht seine Frau Marita, mit der er in diesem Jahr goldene Hochzeit feierte. Natürlich fand die Feier im Hotel zur Post statt, denn hier haben sich beide beim Metzgerball kennengelernt. In der Gaststätte Remmenstein trafen sich bis zu 30 Kegelclubs in der Woche, die auf zwei Kegelbahnen eine ruhige oder schnelle Kugel schoben. Horst Kurafeiski erzählt dem WOLL-Magazin, dass jedes Jahr etliche Knochenschinken verlost wurden, und erinnert sich in dem Zusammenhang an den Italiener Franco Cervellino, der diesen vier Mal hintereinander gewann. Horst Kurafeiski führte die Wirtschaft bis 1993.

 

Christel und Werner Johannes sorgten 19 Jahre in „ihrer“ Stadtschänke für kühle Blonde und das leibliche Wohl. Auch bei ihnen war Hausgemachtes hoch im Kurs. Während des Schützenfestes wurde für die Gäste Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen oder Kartoffeln angeboten. In ihrem Saal fand so manche Vereins- und Familienfeier statt. Beerdigungskaffees zählten auch dazu. Christel Johannes, geborene Neu, entstammt einer bekannten Wirtefamilie. Ihr Vater Eduard betrieb zunächst die Gast- und Schank-wirtschaft „Zum Löwen“, war aber auch Wirt in der alten Schützenhalle (dort steht jetzt das Feuerwehrgerätehaus).
Nachdem „Ede“ verstorben war, führte seine Frau, die in Attendorn unvergessene Maria Neu, die Wirtschaft unter Mithilfe ihrer Tochter Christel bis 1975 weiter. „Wir lernten uns im Löwen am Nierentisch kennen“, berichtete Werner Johannes über die ersten Begegnungen mit seiner jetzigen Frau Christel. Er ist gelernter Werkzeugmacher, gab allerdings seinen Job bei Gebr. Dingerkus 1967 auf, da sein Einsatz in der Gastwirtschaft gefragt war.

 

27 Jahre waren Hetty und Udo Staffeldt eine bekannte Anlaufstelle in ihrer Gaststätte Burgblick an der Heldener Straße. Vom Mooskamp, vom Waldenburger Weg und aus dem Repetal kamen hauptsächlich ihre Gäste. Zahlreiche Vereine nutzten den „Burgblick“ als Vereinslokal. So unter anderem der SV 04 Attendorn, der Schießclub Mooskamp, die Mooskämper Wagenbauer, der Club der Gemütlichkeit, Billardclub und Skatclub. Im eigens eingerichteten Schießkeller übte zwei Mal in der Woche der Schießclub vom Mooskamp. Auch Staffeldts boten gutes Essen an. Bei der Bewältigung der Arbeit wurde das Wirteehepaar von den beiden Töchtern und einem Sohn unterstützt. „Wir waren eine große Familie“, sagt Udo Staffeldt resümierend.

 

Georg und Margret Struck führten von 1965 bis 2002 das Landhotel Struck in Nieder-helden. Georg Struck ist in dem Haus geboren, das viele Jahre als Vorzeigeprojekt galt. Das Landhotel Struck ist allerdings seit 2015 geschlossen. Bis 1970 betrieb man zusätzlich noch die eigene Landwirtschaft. Ein Schwimmbad gehörte schon 1971 zur gehobenen Ausstattung des Landhotels. Im Jahr 1981 wurde die „Distelbar“ eröffnet, die „20 Jahre wie Schmitz Katze lief“, erzählt Georg Struck dem WOLL-Magazin. Dass die „Distelbar“ gut frequentiert war, dafür sorgten oft bis zu acht Damen, die sich zum Kuren im Kurhaus Winkelmeier in Grevenbrück befanden. „Da haben sich zahlreiche Freundschaften entwickelt. Nicht nur das, es gab auch Eheschließungen“, erzählen die Strucks. Georg Struck gehörte 20 Jahre zu den „Fidelen Repetalern“, deren Bekanntheitsgrad weit über den heimischen Sprengel hinaus ging. „In unserer Glanzzeit hatten wir 50 bis 60 Auftritte im Jahr“, erzählt der Ex-Hotelier.

 

Martin und Christa Kopmann waren zehn Jahre das Wirteehepaar im Clubhaus des Yacht- und Ruderclubs Attendorn. Hier sorgten die beiden für Speisen und Getränke in der Segelsaison. In der Winterzeit nahm man auch Feiern für Nicht-Clubmitglieder an.
Des Weiteren haben die Kopmanns längere Zeit die Gaststätte „Zum Öhlchen“, im Volksmund auch „Sägemehlbar“ genannt, geführt.

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