Schiffsprozession der besonderen Art auf dem Biggesee

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WOLL Sauerland Schiffsprozession

Eine Schiffsprozession der ganz besonderen Art erlebten an Christi Himmelfahrt gut 1.000 Teilnehmer auf dem Biggesee, darunter viele ehemalige Bewohner der vor 50 Jahren im Biggetal versunkenen Orte. Die Gläubigen mussten an diesem Feiertag früh aufstehen. Denn schon pünktlich um 8 Uhr morgens hieß es in Sondern „Leinen los“. Die mit Blumen, Girlanden und Fahnen festlich geschmückte „MS Westfalen“ mit Kapitän Wolfgang Keseberg oben auf der Kommandobrücke holte nach einer kurzen Fahrt am gegenüberliegenden Ufer in Weikenohl die Abordnung aus Rhode ab. Es war ein imponierendes und buntes Bild, als die zahlreichen Rhoder – darunter viele Kommunion-kinder und Schützen – das durch den Wasserablass steil gewordene Ufer bis zur „MS Westfalen“ hinuntergingen. An Bord des Flaggschiffes der Weißen Flotte von Lux-Werft und Schiffahrt GmbH war auch die Olper Altbürgermeisterin Wilma Ohly.

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Nach der Ankunft in Sondern ging es zur dritten Segensstation.

Fast zeitgleich machte sich bei wunderbarem Himmelfahrtswetter am Biggedamm auch die vollbesetzte „MS Bigge“ mit den Neu-Listernohlern auf die Fahrt zu den gemeinsamen Segensstationen. Unter den Klängen des Musikvereins Sondern, dessen Stücke von der „MS Westfalen“ auf das kleinere Schwesterschiff „MS Bigge“ übertragen wurden, schipperte die Bigge-Flotte zunächst zu der Stelle, wo das alte Dorf Listernohl vor dem Bau der Biggetalsperre gestanden hat (Nähe Yacht-Club Lister). Vor Ort sprachen dann der von der „MS Bigge“ herübergekommene Pastor Johannes Ebkenhans (Attendorn) und Pastor Clemens Steiling (Olpe) den Segen. Mit an Bord der „MS Westfalen“ war auch Pater Martin Neuhaus aus Rhode. Weiter ging es auf den Spuren längst versunkener Orte in die Nähe von Kessenhammer, wo das alte Dorf Sondern von den Wassermassen verschlungen wurde. Mit dem Dichtmachen der Schotten am 4. November 1965 verschwand hier eine alte Kulturlandschaft, die vielen Menschen zur Heimat geworden war. Eine Heimat, die sie beim Bau der Biggetalsperre vor mehr als 50 Jahren aufgeben mussten. So war es kein Wunder, dass sich auf den beiden Schiffen die meisten Gespräche über das Leben im „versunkenen Tal“ drehten.

Die dritte Segensstation war nach der Ankunft der Bigge-Flotte zurück in Sondern an der Biggeseehalle. Danach feierten die rund 1.000 Gläubigen in der Kirche „Maria Hilf“ zu Sondern mit den drei Geistlichen zusammen das Hochamt. Ein gemeinsames Frühstück und ein Frühschoppenkonzert in der Biggeseehalle beendete die besondere Schiffsprozession auf dem Biggesee, die ganz im Zeichen der alten Heimat stand. Für manch wehmütige Erinnerung sorgten die über 300 historischen Fotos von Hans-Werner Scharioth, die der Vorsitzende der Neu-Listernohler Dorfvereins den Teilnehmern der Schiffsprozession präsentierte.

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EIn FOto von der Schiffsprozession 1980: Die Kommunionkinder iben beobachten, wie das Allerheiligste vom festlich geschmückten Fahrgastschiff getragen wird.

Schiffsprozessionen auf der Biggetalsperre haben eine lange Tradition, sie gibt es schon seit fünf Jahrzehnten. Bei dieser besonderen Prozession mit der „MS Westfalen“ und der „MS Bigge“ haben die ausrichtenden Kirchengemeinden St. Cyriakus Rhode und St. Augustinus Neu-Listernohl eng zusammengearbeitet. An Bord waren auch der in Klinke geborene Willi Rüsche und Orlandus Pfeiffer, der viel aus dem alten Listernohl zu erzählen weiß. Beide haben im WOLL-Magazin von ihrer alten Heimat berichtet. Erinnerungen, die bei der Schiffsprozession an Christi Himmelfahrt wieder ganz frisch geworden sind.

von Martin Droste [Text/Farbfoto], Meinolf Lüttecke [S/W-Foto]

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