Der Franz-Hitze-Pilger-Erlebnispfad ist ein lebendiges Denkmal

Erinnerung, Bewusstsein und Landschaft verknüpfen

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WOLL Sauerland Hanemicke
Die "Projektgruppee Pfad": Axel Stracke, Rupert Bechheim, Gerhard Burghaus, Karl-Josef Vogt, Dorothee Zeppenfeld, Hans-Werner Abel und Andreas Zeppenfeld (v.l.). Es fehlt Heiko Oppenheuser.

Denkmäler müssen nicht aus Stein, Eisen oder Bronze sein und als solche eine quasi unerreichbar scheinende materielle Hülle, versehen nur mit einem Namen. Der „Franz-Hitze-Pilger- und Erlebnispfad“, der vor nunmehr einem Jahr in der Kreisstadt eröffnet wurde und schon jetzt zweifelsohne ein Erfolgsmodell ist, macht es vor und spricht eine andere Sprache.

Über eine Strecke von 18,5 Kilometern führt er als Rundweg am südlichen Teil des Biggesees von Olpe ausgehend über Rhode, Stade, Hanemicke, Hitzendumicke, Alperscheid und Ronnewinkel vorbei an insgesamt 16 Pilgerstationen, neben der letzten Ruhestätte sowie dem Geburtshaus des Priesters und Sozialreformers (1851 – 1921) zumeist an Gotteshäusern, Wegekreuzen und Bildstöcken sowie auch an einem überdimensionalen Stuhl. Weil sich Franz Hitze nämlich selbst der Natur sehr verbunden fühlte. Und weil erzählt wird, dass seine Neffen ihm auf seinen Wanderungen einen Stuhl nachtrugen, damit er sich jederzeit hinsetzen und ausruhen konnte.

„Im Kontext mit Spiritualität und unserer herrlichen Landschaft möchten wir nicht nur an Hitze und sein Tun als Wegbereiter unseres sozialen Rechtsstaates erinnern, sondern in dieser unserer Zeit, in der es immer mehr soziale Kälte gibt, auch zeigen, dass Menschen mit ihren Ideen die Welt und Gesellschaft verändern können. Hitze selbst hat alles in einem Kontext gesehen“, so Gerhard Burghaus von der initiierenden Projektgruppe.

2011 begann man mit der Konzeption des Pfades, der die Orte von Hitzes engerer Heimat über die alten Wege, die er noch gegangen ist, aufsucht. Vollständig markiert ist er in beiden Richtungen wanderbar und in seiner Länge und in seinen Routen variabel. Viele Hundert Menschen jeder Couleur, jeden Alters und aus der unterschiedlichsten Motivation heraus sind ihn im vergangenen Jahr gegangen, auf eigene Faust oder in geführten Gruppen.

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Das Geburtshaus von Franz Hitze in Hanemicke.

Einer der Wanderführer ist Pfarrer i. R. Rupert Bechheim aus Olpe, der sich schon als junger Schüler für Hitze interessierte und begeisterte, „weil es sich lohnt, sich mit dieser einzigartigen Person aus unserer Heimat und der ganzen damaligen Zeit mit ihrer vom uralten Prinzip der Herrschaft geprägten Gesellschaft und Kirche zu befassen“. Und so kommt er auf den Wanderungen gerne ins Erzählen, spricht von „dem kleinen Fränzchen, Sohn einer Bauernfamilie und geboren am Ende der Welt zwischen Wiesen und Wäldern, der es schafft, gerade mal 32-jährig eine leidenschaftliche Rede im Reichstag zur sozialen Frage der Arbeiterschaft zu halten und genau mit dieser Leidenschaft und bis zur Erschöpfung sein Leben dem seinerzeit rechtlosen Proletariat, für das niemand einen Handschlag tut und das von der ganzen Gesellschaft verachtet wird, zu widmen.“

Und so ist der „Franz-Hitze-Pilger- und Erlebnispfad“ eben weit mehr als eine Erinnerung an eine Einzelperson aus der Vergangenheit. Er ist ein individueller, dynamischer und impulsgebender Weg zu einem lebendigen Denkmal. Ein globales Denkmal für das Leben aller Menschen.

„Ideen brauchen Menschen, die sich von ihnen begeistern und sie Wirklichkeit werden lassen“, sagen die Macher des Pfades, die auf ihrem Weg schon ein ganz großes Stück gegangen sind. In diesem Sinne kann man es auch mit dem französischen Schriftsteller und Kritiker Marcel Proust halten: „Eine kleine Reise ist genug, um uns und die Welt zu erneuern.“

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Ein bau- und kulturgeschichtlicher Schatz: die Kapelle in Hanemicke.

Ein ganz besonderes Jubiläum

100 Jahre wird sie in diesem Jahr alt: die Kapelle „Zur schmerzhaften Mutter“ in Hanemicke, die in ihrem neobarocken Stil eine echte Rarität unter den Bau- und Kulturdenkmälern des kölnischen Sauerlandes ist. Unweit seines Geburtshauses hat Hitze sie einst als Hauskapelle und Gotteshaus für das Dorf gebaut. Ursprünglich war sie auch als seine Grabstätte gedacht. Seinem letzten Willen nach wurde er schließlich auf dem „Friedhof seiner Ahnen“ direkt neben der Pfarrkirche St. Cyriakus in Rhode beigesetzt.

Seit 1946 ist die Kapelle im Besitz der Familie Zeppenfeld (heute Familie Andreas Zeppenfeld), die die nötigen Renovierungs- und Instandhaltungs-kosten selbst bzw. durch Kapellenfeste und Spenden zu finanzieren versucht.

Das Weihejubiläum am 21. Oktober 2015 wird in diesem Jahr groß gefeiert. Der 24. und der 25. Oktober 2015 stehen ganz im Zeichen der Geschichte und der Spiritualität.

von Birgit Engel [Text/Fotos], Gerhard Burghaus u. Projektgruppe Pfad [Fotos]

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