Attendorner Vereine wollen den alten Bahnhof erhalten

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Bahnhof Der Bahnhof war einst das Portal zur Stadt. Ein Ort der Begegnung. Das soll er wieder werden, für alle Generationen. Das Plattenbild von etwa 1880 zeigt gut die originalen Details seiner sehr ausgewogenen Architektur.

Der Bahnhof Attendorn ist 140 Jahre alt und das Symbol für den Wiederaufstieg der Hansestadt Attendorn zum prosperierenden Industrie-, Handels- und Handwerksstandort. Erst die Anbindung an das Schienennetz im Jahr 1875 machte die Stadt nach Jahrzehnten des Niedergangs wieder wettbewerbsfähig. Er ist daher ein elementares Denkmal zur Stadtgeschichte, das alle angeht.

Der Verein zur Erhaltung des alten Bahnhofs in Attendorn hat Verstärkung bekommen. Im Interesse an einem maßgeblichen Objekt der Stadtgeschichte und im Hinblick auf die einmaligen Möglichkeiten für dessen kulturelle Nutzung haben sich die Vorstände des Vereins für Orts- und Heimatkunde sowie von KulturA, des Attendorner Kunst- und Kulturvereins, zusammen mit den bisherigen Verfechtern des Erhalts in einer gemeinsamen Sitzung am 28. Mai auf einen neuen Weg begeben. Zur Diskussion steht nun auch ein Genossenschaftsmodell.

Im Karussell des Wettbewerbs um Fördergelder wurde ein architektonisch sehr ambitioniertes Modell entwickelt, das ausKostengründen leider nicht umzusetzen ist. Die Vereine danken den Initiatoren sehr für die große Arbeit, die in Hoffnung auf eine gute Zukunft des Hauses geleistet worden ist.

Der Sanierungsplan muss nun drastisch minimiert werden, da, neben anderen Bestrebungen zur Finanzierung, auch die in die nun zu Ende gegangene Regionale 2013 gesetzten Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Angestrebt wird jetzt, den Bahnhof wieder in seinem ursprünglichen Auftritt originalgetreu instand zu setzen. Es liegt im Trend, alte Bausubstanz behutsam zu erhalten. Dabei soll in Grundzügen jedoch das Fundament geschaffen werden, eine etwaige spätere Erweiterung zu ermöglichen.

Ziel der Sanierung soll sein, die aktuelle Gastronomie zu erhalten und Räume in den Obergeschossen zu schaffen, um Büro- oder Kanzleimieter zu animieren, sich im Attendorner Kulturbahnhof eine unverwechselbare Adresse zu sichern. Das schafft durch Mieteinnahmen den Grundstock zur Begleichung laufender Kosten.

Dies ist ein Teil der soliden Finanzierung und Planung des Vorhabens – im Gegensatz zu Großprojekten wie Berliner Flughafen, Stuttgarter Bahnhof und Hamburger Elb-philharmonie, bei denen Milliarden scheinbar ohne solides Fundament versenkt werden. Oder, um es mit einem kleinen Augenzwinkern auf unsere Heimat umzumünzen: Wir sind Westfalen, wir halten, was die Rheinländer versprechen.

Wir sind zudem Attendorner, gestandene Handwerker, Kaufleute, Fachmänner und -frauen. Warum soll es nicht heißen: „Geht doch auch anders, woll?“ Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir unsere Vision verwirklichen können. Das neue Konzept des Planungsteams setzt dabei auf die Jugend: die Auszubildenden in allen Handwerksberufen.

Die Jugend ins Boot holen!

Sie am Objekt erlernen zu lassen, wie so etwas früher gemacht wurde. Ihnen zu vermitteln: „Das ist für Euch. Ihr seid die Zukunft. Und wir sorgen gemeinsam dafür, dass ein Haus für die Attendorner Bürger bestehen wird, das über Generationen den Geist in sich trägt, der die Hansestadt zu dem gemacht hat, was sie heute ist und später weiterhin sein soll: Eine Heimat, die mehr bietet als das Gegeneinander, die in Generationen denkt und gemeinsam etwas auf den Weg bringt, was niemand in den Metropolen für möglich hält.“

Was für eine Vorstellung: Senioren, die den Junioren zeigen, dass die Jugend zwar schneller ist, aber die Alten die Abkürzungen kennen. Etappenfeste, bei denen alle gemeinsam feiern, wenn das Werk wird und es allen gehört, weil sie in der Genossenschaft tätig sind. Die Strahlkraft, die ein solches Projekt in der Republik bekannt machen könnte. Denn alle träumen doch davon, dass einfach mal etwas geht, weil alle es wollen. Geht doch auch anders, woll?

Zu guter Letzt würde er bleiben, der alte Bahnhof, ein Kleinod, das Attendorner Bürger- und Kulturzentrum. Für uns und für die, die nach uns kommen. Er würde uns alle überleben. Und wir alle ein bisschen auch in ihm.

von Achim Gandras [Text], Frey Print + Media [s/w-Foto]

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