Dachse – Jäger im Streifenrock

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WOLL Sauerland Dachs

Wir dürfen vorstellen: Meister Isegrim, der große Bruder des Marders.
Der erste Dachs, den ich als Kind sah, lag tot im Straßengraben. Nicht nur wegen der gebleckten Zähne dachte ich damals, es wäre ein riesiger Hund. Der letzte Dachs, den ich traf, überstand die Begegnung mit meinem Auto leider nicht unbeschadet. Er war ebenfalls riesig. Eigentlich unglaublich, dass diese Tiere in unseren Wäldern leben!

Dachse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu einem Meter, wobei die Weibchen etwas kleiner sind. Charakteristisch sind die Schwarzweiß-Färbung, die lange Schnauze und die gedrungene Statur. Bis zu 15 Kilo kann ein Dachs auf die Waage bringen, das entspricht einem jungen Schäferhund! Füchse wirken dagegen fast zierlich. Dachse sind aber keineswegs dumpfe Killer. Die Tiere sind hochintelligent und sehr sozial. Sie leben überwiegend in Mischwäldern. Die Nähe zu Menschen und Siedlungen meiden sie ebenso wie große, geschlossene Waldgebiete. Dachse sind Raubtiere und erlegen kleinere Wirbeltiere wie Maulwürfe und Wildkaninchen. Als bequeme Allesfresser ernähren sie sich aber auch gerne vegetarisch oder gehen auf ausgedehnte Regenwurm-Jagd. Tatsächlich ernähren sich Dachse häufiger von Regenwürmern, Beeren, Gräsern und Eicheln, als es den Anschein macht! Meister Isegrim ist nur halb so gefährlich, wie man denkt.

Diese nachtaktivenTiere graben großvolumige Bauten mit bis zu 20 Metern Länge, in denen recht häufig auch Füchse als Untermieter einziehen. Wenn Sie einen Dachs in freier Wildbahn treffen, wird dies höchstwahrscheinlich auch mit einem Auto sein. Die Tiere sind sehr scheu und dazu sehr intelligent. Sie wissen sich von Menschen fernzuhalten. Wo aber auch immer sie dem großen Verwandten des Marders begegnen und egal, in welcher Lage er sich nach der Begegnung befindet: Halten Sie sich vom Dachs fern und informieren Sie, wenn er dabei Schaden genommen hat, den nächsten Förster – die Zähne sind keine Zierde!

Google findet übrigens bei der Suche nach „Dachs + Rezept“ über 50.000 Einträge. Bemerkenswert. In China werden Dachse auf Farmen gezüchtet, zur Gewinnung der Naturborsten für Rasierpinsel und auch für den Verzehr. Für mich persönlich ist der Dachs eins der wenigen Tiere, die ich nicht essen würde. Vielleicht wegen der letzten Begegnung? Zudem haben wir im Sauerland vergleichsweise so wenige Dachse, dass ich da gerne wieder auf Wildschwein und Reh verweise.

Text: Kerstin Matthies  //  Fotos: Thorsten Hinke

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