Von Abu Simbel zum Biggedamm

Weltenbummler Walter Schulte aus Heggen war der jüngste Bauleiter an der Biggetalsperre

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WOLL Sauerland Biggetal
Stolz präsentiert Walter Schulte in seinem Büro das Foto von einem der vielen internationalen Großprojekte, an denen er gearbeitet hat.

Von Heggen in die ganze Welt“ – so könnte man das spannende Berufsleben von Walter Schulte beschreiben. Der gelernte Maurer hat als Bauleiter in Ägypten, Nigeria, im früheren Ceylon (heute Sri Lanka) und im damaligen Ostpakistan (heute Bangladesch) gearbeitet. „Ich war überall dort, wo es bautechnisch gebrannt hat“, schmunzelt der Weltenbummler, der mit einer Ehefrau Ruth am Südwall in Attendorn wohnt.

Auch die Großbaustelle Biggetalsperre spielt im mitunter abenteuerlichen Leben des gebürtigen Heggeners eine Rolle. „Am 25. Februar 1965 bin ich an die Talsperre gekommen“, erinnert sich der Rentner noch genau. Damals war Walter Schulte mit 29 Jahren „der jüngste Bauleiter an der Biggetalsperre“. Darauf ist der in der ganzen Welt herumgekommene Fachmann nach wie vor stolz.

„Das war keine normale Baustelle und eine große technische Herausforderung für alle beteiligten Firmen.“ Dieser Talsperrenbau in seiner sauerländischen Heimat hält für Walter Schulte jedem Vergleich mit den anderen Großprojekten in der ganzen Welt stand, an denen er in verantwortlicher Position mitgearbeitet hat. Dazu gehören immerhin der Assuan-Staudamm und die spektakuläre Versetzung der Tempelanlage Abu Simbel in Ägypten.

Dort arbeitete der Sauerländer für die Firma Johann Keller Brunnenbau an der Bodenuntersuchung und Baugrubenabsicherung für den neuen Standort der Tempelanlage. Das einzigartige Monument und UNESCO-Weltkulturerbe musste wegen des Baus des großen Assuan-Staudamms komplett umgesetzt werden. Eine internationale Kraftanstrengung.
Die Bohrungen für die Untersuchung des Untergrunds gingen bis in eine Tiefe von 102 Metern. Ungefährlich war das „Abenteuer Ägypten“ um 1960 nicht. „Wir haben damals eine Gefahrenzulage von 30 Pfennig am Tag erhalten. Die gab es wegen der Skorpione und Sandvipern“, weiß Walter Schulte noch genau. Untergebracht waren Schulte und Co. auf einem Wohnschiff auf dem Nil.

Nach Ägypten ging es für zwei Jahre ins exotische Ostpakistan (heute Bangladesch), wo Walter Schulte an einer großen wassertechnischen Baustelle am Zusammenlauf von Ganges und Brahmaputra arbeitete.

WOLL Sauerland Abu Simbel
Auch bei der spektakulären Versetzung der ägyptischen Tempelanlage von Abu Simbel war Walter Schulte im Einsatz. (Foto: Keller Holding)

Anschließend sollte Venezuela die nächste Station sein. Doch der Auftrag zerplatzte im wahrsten Sinne des Wortes.

Womit Walter Schulte aber gut leben konnte. Denn seine Firma erhielt die Zusage für einen Teil der Boden- und Untergrundverdichtung tief im Inneren des gerade gebauten Biggedamms. „Da haben wir gearbeitet wie Bergleute unter Tage“, blickt der Bauleiter zurück. Für den auslandserprobten Heggener war es die Rückkehr in die alte Heimat.
Walter Schulte, der wenige Jahre zuvor seine Ruth geheiratet hatte, freute sich über die Zusammenarbeit mit den Fachleuten vom RTV (Ruhrtalsperrenverein). Denn beim RTV hatte er in den 1950er-Jahren seine ersten Erfahrungen im Talsperrenbau gemacht.

Nach Einsätzen an der Henne- und Sorpetalsperre erhielt der leidenschaftliche Fußballfan und Anhänger des FC Schalke 04, der nie ein Ingenieurstudium abgeschlossen hat, das Angebot der damals in Frankfurt sitzenden Firma Johann Keller Brunnenbau (heute Keller Grundbau). „Ich wollte weiter kommen und das Ausland hat mich gereizt.“ Walter Schulte hat diesen beruflichen Wechsel nie bereut.

Angefangen hatte alles vor vielen Jahren in Heggen. Morgens verließ der junge Walter Schulte das Elternhaus in aller Herrgottsfrühe. Die Mutter hatte schon das Frühstück vorbereitet. Zu Fuß ging es nach Finnentrop, wo der Zug pünktlich um 5 Uhr nach Meschede fuhr. Vom dortigen Bahnhof marschierte Schulte zu seinem Arbeitsplatz an der Hennetalsperre. Arbeitsbeginn war um 7 Uhr. Abends um 20 Uhr war er wieder zu Hause in Heggen.

„Ich habe mich von der Pike auf nach oben gearbeitet“, blickt der Weltenbummler zufrieden auf ein spannendes Berufsleben zurück. In seinem Büro hängen dazu die passenden Fotos aus aller Welt.

Text: Martin Droste  //  Fotos: Martin Droste, Keller Holding GmbH

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