Umbau des Feuerteiches nie umgesetzt

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WOLL Sauerland Greitemann Höffer
DIe Architekten Bernd Greitemann (li.) und Johannes Höffer beschäftigen sich gern noch einmal mit den Entwürfen von 1985 bis 1987, die einst längst zur Ausführung beschlossen wurden.

Der Feuerteich vor dem Ennester Tor in Attendorn hat schon manche Wandlung erfahren. Heute lediglich ein großer Parkplatz, sollte er schon vor Jahren abgewandelt werden. Dabei wollte man den benachbarten Bieketurm wirkungsvoll eingliedern. Der massive Turm ist ein Wahrzeichen der Hansestadt und eines der ältesten Bauwerke, das noch von der mittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten ist.

Der Feuerteich, einst vor der Stadt gelegen, diente zum Schutz vor Bränden, als Reservoir für die Gräben der Befestigungsanlagen und nicht zuletzt auch zur Reinigung der Innenstadt: Bei Bedarf wurde sein Wasser vom höchsten Punkt herab durch die Gassen geleitet, um unterhalb des Niedersten Tores mit allem Unrat in die Bigge zu fließen. Damit hatte es im 19. Jahrhundert allerdings ein Ende, als er zugeschüttet und planiert wurde. Später war er zum Teil mit der Feuerwache und einem Steigerturm bebaut, heute präsentiert er sich gepflastert samt Parkscheinautomat, lediglich von einer Hecke umsäumt.

Hier feiern die Schützen seit den 1980er-Jahren Bierprobe und Sonntags-Frühschoppen, seit einiger Zeit auch den festlichen Samstagabend.

Längst hat es daher manche Idee für eine Attraktivierung des Platzes gegeben. So hatte der Verein für Orts- und Heimatkunde 1977 den Auftrag von der Stadt Attendorn erhalten, ein Häuserbuch mit allen Gebäuden der Stadt zu erstellen. Daraus entwickelte sich bald ein Arbeitskreis, unter anderem mit den sachkundigen Bürgern Uli Goebel und Hermann Hundt sowie den Architekten Bernd Greitemann und Johannes Höffer. Letzterer erstellte eine Zeichnung zum Feuerteich mit der Vision, wie so eine Aufwertung des Geländes aussehen könnte. Auf Antrag der Königskompanie der Schützengesellschaft beschloss der damalige Attendorner Stadtrat einstimmig die Errichtung dieses so geplanten Dreifach-Parkdecks samt Rekonstruktion eines Stückes der alten Stadtmauer auf dem Feuerteich. Die Ausführungsplanung hatte die Stadt längst an den Architekten Bernd Greitemann übertragen. Das Bauvorhaben wurde jedoch nie realisiert, obwohl es sogar die Zusage für einen Zuschuss von 660.000 DM aus dem Säckel des Deutschen Bundesverbandes für Selbstschutz (BVS) gegeben hat.

Bernd Greitemann war damals der „Schutzraumbeauftragte“ des BVS und hatte mit den unterirdischen Parkdecks die Förderung von über 1.000 atombombensicheren Schutzplätzen für Attendorner Bürger beantragt. Außerdem wollte ein ortsansässiger Unternehmer ein ganzes Parkdeck kaufen – die Finanzierung wäre also gesichert gewesen. Leider jedoch gab es letztendlich persönliche Differenzen und an entscheidender Stelle wurde in der Stadtverwaltung, wohl durch eine einzelne Person, die Rote Karte gezogen und das Projekt schlief einfach ein.

Bernd Greitemann und Johannes Höffer trafen sich im Spät-herbst 2014 bei Frey Print+Media in der Attendorner Bieketurmstraße, um die Geschehnisse von 1987 noch einmal zu reflektieren. Die Lösung mit den drei Parkdecks wäre demnach kein Problem gewesen. Man hätte nur die Sohle des verfüllten Feuerteichs wieder freilegen müssen. „In der Nachbarschaft, am Westwall, habe ich ein Haus mit doppeltem Kellergeschoss gebaut. Das bot sich damals an, weil fester Grund erst sehr tief ermittelt werden konnte. Das ist beim Feuerteich die gleiche Situation“, wie sich Bernd Greitemann heute erinnert.

WOLL Sauerland Feuerteich
Der Feuerteich, hier von der Treppe des Bieketurms herab fotografiert, ist ein Parkplatz. Mehr nicht.

Nun, fast 30 Jahre später, soll die Planung endlich wieder Fahrt aufnehmen. Die Attendorner Schützen begrüßen das ausdrücklich, denn es würde nicht nur das Parkplatzproblem relativiert; auch die Installation von modernen Sanitäranlagen kämen dem Feuerteich als universell nutzbarem Platz für alle großen Feste in der Hansestadt zugute. Und die Idee, das natürliche Gefälle des Platzes so zu nutzen, dass innenstadtseitig eine Rekonstruktion der alten Stadtmauer im Anschluss an den historischen Bieketurm mit folgendem modernen Mauerwerk errichtet werden könnte, hat wohl wirklich ihren Reiz. Carsten Graumann, Baudezernent und Beigeordneter der Stadt Attendorn, äußert sich dazu, dass die Planung für eine Neugestaltung des Feuerteichs wieder aufgenommen worden ist. Geplant sei ein unterirdisches Parkdeck, dessen Boden etwas tiefer liegen soll als die momentane Höhe des Seewerngrabens. Somit wäre das obere Deck auf Seite des Westwalls nur wenig erhöht, zur Innenstadtseite entstünde eine Fassade, dessen Gestaltung noch nicht festgelegt ist.

Text und Fotos: Achim Gandras

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