Pilgern auf der Heidenstraße

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Ein uralter Fernweg durchschneidet den Kreis Olpe

Wenn man sich in Köln ein Bier bestellt, dann muss man sich freundlich an den Köbes, den Kellner wenden. Mancher Köbes ist in früheren Zeiten auch bei uns vorbei gekommen, denn in diesem kölschen Namen steckt der heilige Jakobus: der Köbes war ein Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela im Norden Spaniens. Strandete er, vielleicht fußkrank, meistens pleite, in der Domstadt, dann verbot ihm das mittelalterliche Zunftrecht fast jegliche Tätigkeit – bis auf den Beruf des Kellners.

Bigge an de Schafsbrücke in Attendorn
An der Schafsbrücke bei Attendorn war die Bigge einst schon flach genug, um zumindest bei Niedrigwasser durch ein Furt passiert zu werden.

Unzählige Pilger aus dem Osten sind die Jahrhunderte hindurch über Grevenbrück nach Attendorn und von dort weiter über den Meinerzhagener Schnüffel und Wipperfürth nach Köln gezogen. Dort suchten sie vor allem die Gebeine der Heiligen Drei Könige auf, Reliquien im Dom, die eine ungeheure Strahlkraft besaßen – immerhin bringt sie die Legende mit Christi Geburt in Verbindung, als das einzig irdische Relikt dieser Kernszene des christlichen Glaubens. Von dort pilgerte man weiter über Aachen und Brabant, durch Frankreich hindurch, bis sich das große Wegenetz am Fuße der Pyrenäen bündelt, um als Camino, als heiliger Weg, bis nach Santiago zu führen, wo auf wundersame Weise das Grab des Apostels auf dem Sternenfeld, dem Compostela, gefunden worden sein soll. Mit der Kraft dieses Heiligen soll die Vertreibung der Mauren aus Spanien gelungen sein – so wurde Santiago neben Jerusalem und Rom eines der wichtigsten Glaubensziele der Christenheit.

Viele der von Pilgern genutzten Wege waren damals wichtige Fernstrecken für den Handel. Durch den heutigen Kreis Olpe führte dabei einst die Heidenstraße, neben dem Hellweg eine der großen Ost-West-Verbindungen unserer Region, in diesem Fall von Leipzig durch das Eichsfeld, über Korbach, Winterberg und Schmallenberg kommend. Bis heute tut sich dabei manches Geheimnis auf, das noch immer in den Wäldern entdeckt werden kann, hält man die Augen offen.

Den Kreis Olpe betritt die alte Heidenstraße, der Jakobsweg, zwischen Bracht und Brenschede, über den Höhen von Ödingen. In tiefen Hohlwegen steigt der Weg bei Oberelspe hinab, quert das Tal und erreicht über weite Felder mit der Elsper Kirche den wohl wichtigsten sakralen Ort mit Jakobus-Patrozinium in unserer Region. In Grevenbrück geht es über die Lenne, von dort wieder hinauf zur Linde bei Orchideen Koch und von St. Claas über Helden und die Burg Schnellenberg nach Attendorn. Dort teilt sich der Weg, denn es gab wohl zwei Möglichkeiten: Die bequeme Brücke über die Bigge, die jedoch vemutlich teuren Zoll kostete, und eine Furt durch den Fluss, die gratis war! Wer sich heute an der Schafsbrücke unter der Burg umsieht, der findet unterhalb die tiefen Rinnen der alten Straße, gebündelt nebeneinander, direkt in der Böschung am Ufer. Bei Ausgrabungen in der Attendorner Pfarrkirche wurden auch die Überreste eines Pilgers aus dem 13. Jahrhundert gefunden, dem man seine Jakobsmuschel, das Pilgersymbol, auf die Brust gelegt hatte.

Der Weg setzt sich fort durch das Ebbegebirge nach Meinerzhagen. Ein besonderer Ort dieser Etappe ist die „Himmelsleiter“, ein steiles Stück, das aus dem Ihnetal bei Möllsiepen durch den Wald ansteigt bis auf die Höhe hinter Hardenberg. Seit 2004 sind die alten Wege mit der blau-gelben Pilgermuschel ausgeschildert worden; die zusammenlaufenden Strahlen auf deren Rücken symbolisieren die vielen Routen durch Europa, die erst in den Pyrenäen zusammentreffen.

Das Buch „Wandern und Pilgern auf der Heidenstraße“ von Annemarie und Herbert Schmoranzer sowie Franz-Norbert Scheele, das vom Sauerländer Heimatbund herausgegeben wurde, schildert sehr detailliert die Etappe von Oberkirchen bis Attendorn.

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