Rhode, ein Ort an dem man bleiben will!

Ein lebendiges Dorf mit großem Bewusstsein für die eigene Geschichte und Identität

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WOLL Sauerland Rhode
Ortsvorsteher Jörn Dettmer (l.) und Rhoder Urgestein Hans-Werner Abel

Es gibt nicht die eine Geschichte über Rhode. Das wäre viel zu einfach“, sagt Hans-Werner Abel. Tatsächlich gibt es viele und vielfältige Geschichten über die Ortschaft, von heute und gestern, ganz neue und Jahrhunderte alte. Geschichten, die tief in den Erinnerungen einiger weniger vergraben sind, und eben solche, die aufgeschrieben und dokumentiert sind, in Bilder- und Zeitungsarchiven, Sammlungen, Aufsätzen und umfassenden Chroniken. Die Rhoder sind unbesehen fleißig, wenn es um das Bewahren ihres Werdens und Seins geht. Die enge Verflechtung mit den eigenen Wurzeln und ein bis heute fortwährend bemerkenswertes Identitätsgefühl machen Rhode zu dem, was es ist: ein vitales Dorf, das von innen heraus lebt.

„Bei uns stimmt alles. Wir haben keine Probleme und ich wüsste nicht, was wir noch haben müssten“, betont Abel (65). Fast ein viertel Jahrhundert war er Ortsvorsteher. „Rhode ist für mich Leben und Ruhepunkt. Das habe ich immer zum Anlass genommen, mich offiziell zu engagieren und mitzugestalten.“ Im vergangenen Jahr, als der Ort sein 625-jähriges Bestehen feierte, gab er die Fäden weiter in die Hände des 31-jährigen Jörn Dettmer: „Wir wollen den Schwung des Jubiläumsjahres nutzen, neue Ideen und Visionen entwickeln, damit es bleibt, wie es ist.“ Und so gibt es nicht nur einen Ortsvorsteher, sondern ebenso einen Seniorenbeauftragten, einen Jugendbeauftragten und einen Beauftragten für die Neubürger. Ein Arbeitskreis kümmert sich zudem explizit um die Dorfentwicklung und um das Dorfmarketing. „Was wir hören und sehen, greifen wir auf und machen das Beste draus“, sagen Abel und Dettmer unisono.

Rund 1.600 Menschen leben in Rhode. Die Gastronomie vom Imbiss bis zum gut ausgestatteten Wirtshaus ist hier noch bestens vertreten und ein Dorfladen bedient den täglichen Bedarf. Zahlreiche Firmen und Gewerbetreibende vom metallverarbeitenden Unternehmen bis zum traditionsreichen Handwerk schaffen vor Ort Arbeitsplätze und Lehrstellen. Grundschule, Fortbildungsakademie für Gesundheits- und Krankenpflege, Pensionen und Ferienwohnungen, Land- und Forstwirtschaft … Rhode, inmitten der Natur und doch ganz nah an der großen Welt, kann mit einer intakten Infrastruktur und einnehmendem Dorfcharakter punkten. Direkt vor der Haustür liegen A 4 und A 45 sowie die Kreisstadt. „Was uns von Olpe trennt, ist nur die B 55“, meint Abel und serviert gleich die Lösung: „Durch den Hohl gehen wir drunter her, mit dem Hatzenberg drüber her und zum Ümmerich durch den Wald.“

Was aber wäre Rhode ohne die Eigeninitiative und das Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger, die Spielräume erkennen und das Leben vor Ort gestalten und tragen? „Unsere Vereine leisten eine riesige Integrationsarbeit“, so Abel. Im Sportverein spielen alleine 180 Kinder und Jugendliche eine aktive Rolle. Und dann ist da ja auch noch der Musikverein, der Carnevals Club, der Schützenverein, der Gesangsverein, verschiedene Fördervereine, der Dorfgemeinschaftsverein und, und, und … Die Liste ist lang. „Das Miteinander funktioniert. Die verschiedenen Generationen passen aufeinander auf, sind verbandelt, helfen und unterstützen sich“, so Jörn Dettmer. Rhode ist ein Ort, an dem man gerne bleibt.

Erste Siedlungsmerkmale von Rhode werden auf die Zeit nach 1050 datiert. Die Rede ist von einem Hof, möglicherweise im Besitz der Grundherrschaft Waldenburg, und zwar genau auf dem Grund und Boden, auf dem wohl im 12. Jahrhundert die Rhoder Kirche gebaut wurde. Dem Vernehmen nach – auch wenn dem nicht von allen Seiten zugestimmt wird – handelt es sich um die älteste Pfarrkirche im Olper Land, in die selbst die Olper zur Messe gehen mussten, bis diese 1311 Stadtrechte erhielten und Rhode nach dem Bau der Olper Kirche Filiale wurde. Das Rhoder Gotteshaus wurde mehrmals umgebaut, der alte Glockenturm aber steht noch heute als ältestes Bauteil aller Gebäude auf dem Gebiet der Stadt Olpe. 1621 schließlich wurde Rhode selbstständige Pfarrei, bis 2001 der Pastoralverbund Olpe-Biggesee entstand. „Die alte Kirchen- und Schulgemeinde ist bis heute prägend in der Beziehung zu den umliegenden Ortschaften“, weiß Abel.

Geht es in Rhode um die Kirchengeschichte, kommt das Gespräch fast zwangsläufig auf das Schicksal des überaus beliebten und unvergessenen Pfarrers Joseph Cordes (1841–1879), der während der Zeit des Kulturkampfes als unerschrockener Verfechter der Sache Gottes in Rhode wirkte. Und zwar hauptsächlich im Beichtstuhl, wo er den größten Teil seines Tages verbrachte. Dort wurde er am 28. Juni 1879 von einem gleißenden Blitz erschlagen. Lange gab es noch seinen Schuh, im letzten Jahr musste man aber feststellen, dass er irgendwie verloren gegangen ist und nur noch ein Foto existiert. Des Pfarrers Grab befindet sich an der Südseite der Kirche, dort, wo ehemals der Eingang war. Neben Joseph Cordes fand auch der größte Sohn Rhodes seine letzte Ruhestätte: der Sozialreformer Franz Hitze (1851–1921). Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Wie gesagt, es gibt solcher viele um und von Rhode. Und dann fällt Hans-Werner Abel und Jörn Dettmer doch noch etwas ein, was in Rhode fehlt. „Ein flächendeckend schneller Internetzugang.“ Aber da sind die Rhoder im Sauerland ja wahrlich nicht die einzigen, woll?

Text: Birgit Engel, Fotos: Dorfgemeinschaft Rhode, Heimatverein Rhode, Birgit Engel, Achim Gandras

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