Märkische Museums-Eisenbahn in Hüinghausen

Ein Eldorado für Tüftler und Techniker

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WOLL Sauerland Biebelies
Die Ein- und Abfahrt der Dampflokomotive "Bieberlies" lässt die Herzen der großen und kleinen Eisenbahnfreunde höher schlagen.

Auf diesen Augenblick haben die vielen großen und kleinen Besucher und die zahlreichen Hobbyfotografen gewartet. Laut schnaufend und zischend fährt die Dampflokomotive Nr. 60 „Bieberlies“ in den Bahnhof Hüinghausen zwischen Plettenberg und Herscheid ein. Es riecht nach Dampf und Feuer. Die in den 1920er-Jahren von der Firma Henschel und Sohn gebaute Kleinbahn ist der Star des 1982 in Plettenberg gegründeten Vereins „Märkische Museums-Eisenbahn“.

Einer der Gründungsväter ist Wolf Dietrich Groote. Beim Feuerwehrtag am Bahnhof Hüinghausen treffe ich eher zufällig den 69-jährigen gebürtigen Plettenberger, der ein Vierteljahrhundert 1. Vorsitzender des Vereins war und sich „vor ein paar Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat“.

Schade: Das Feuerwehrmuseum Attendorn, das mit seinen historischen Fahrzeugen und Geräten ein gern gesehener Gast in Hüinghausen ist, muss an diesem Sonntag aus technischen Gründen passen.

Wolf Dietrich Groote, vielen in Attendorn noch als ehemaliger Baudezernent und Erster Beigeordneter in Erinnerung, war nach dieser Zeit zwölf Jahre Erster Stadtrat in Kronberg. Nach seiner Pensionierung pendelte er zwischen der Stadt im Taunus und Plettenberg hin und her. Nun zeigt er mir, wo man die in den Bahnhof einfahrende Dampflok „Bieberlies“ am besten fotografieren kann, und lädt mich zu einer exklusiven Führung durch die Fahrzeughalle der Museumsbahn ein: ein Eldorado für Tüftler und Techniker.
Schmalspurbahnen mit einer Spurbreite von einem Meter haben im Sauerland und vor allem im Märkischen Kreis eine lange Tradition. Sie erschlossen die engen Seitentäler, die von den Hauptstrecken im Lenne-, Volme- und Ruhrtal nicht erreicht wurden, um die heimischen Produkte in die weite Welt transportieren zu können. Der Initiator der Plettenberger Kleinbahn war der Unternehmer Wilhelm Seissenschmidt.

Die Züge und Waggons der Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE), Iserlohner Kreisbahn (IKB), Plettenberger Kleinbahn (PKB) oder Hohenlimburger Kleinbahn (HKB) fuhren damals mitten durch die Orte. „Fast jeder Betrieb hatte einen Gleisanschluss“, berichtet der 2. Vorsitzende Udo Feldhaus. Mit dem zunehmenden Lkw-Aufkommen verlor der Transport mit den Kleinbahnen seine Bedeutung und die Strecken wurden nach und nach stillgelegt.

Auch bei der Sauerländer Kleinbahn, die auf der alten Trasse der 1969 stillgelegten und abgebauten Bundesbahnstrecke Plettenberg – Herscheid zwischen dem Bahnhof Hüinghausen und der Endstation Köbbinghauser Hammer im Stundentakt hin und her pendelt, gibt es klare Regeln. So müssen alle Lokführer, Heizer, Rangierer oder Zugführer eine spezielle Ausbildung machen. Gewissermaßen eine Schmalspur-Ausbildung.

Bei den Kleinbahnen ist gegenüber der großen Regelbahn nicht nur die Spur kleiner. „Die Züge fahren nicht nach elektrischen Signalen und es wird auch nicht automatisch gebremst“, erläutert Udo Feldhaus.

Der Bahnstrecke Plettenberg – Herscheid wurde bei ihrer Eröffnung 1915 eine große Zukunft prophezeit. Die Züge sollten bis nach Lüdenscheid und weiter über die Volmetalbahn nach Gummersbach und über die Aggertalbahn nach Köln rollen. Doch politischer Streit und der Erste Weltkrieg machten den Plänen einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Strecke blieb unvollendet, endete als unbedeutende Stichbahn in Herscheid und wurde dann endgültig eingestellt. 2015 würde die Bahnstrecke 100 Jahre alt, wäre sie nicht in der Zeit zwischen 1969 und 1996 abschnittsweise stillgelegt worden.

Nach einigem Hin und Her erwarb der zwei Jahre zuvor gegründete Verein „Märkische Museums-Eisenbahn“ 1984 das Bahnhofsgelände Hüinghausen mit dem Empfangsgebäude von der Bundesbahn. Die Stadt Plettenberg stellte den Eisenbahnfreunden ein Streckenstück von zunächst zwei Kilometern zur Verfügung. „Als wir anfingen, lagen keine Schienen mehr“, weiß Wolf Dietrich Groote noch genau. Mit viel Idealismus und „Manpower“ (2. Vorsitzender Udo Feldhaus) hat der 150 Mitglieder starke Verein in landschaftlich reizvoller Umgebung im Elsetal eine Museumsbahn geschaffen, die sich mit ihrem auch gastronomischen Angebot zu einem Tourismusmagneten in der Region entwickelt hat.

Das sah vor über 30 Jahren noch ganz anders aus. „Am Anfang hat uns keiner so richtig ernst genommen und niemand hat geglaubt, dass wir so etwas auf die Beine stellen können“, blickt der langjährige Vereinsvorsitzende Groote zurück.

Ausgelöst wurde die Gründung des Vereins „Märkische Museums-Eisenbahn“ durch die Stilllegung der Inselbahnen Juist und Spiekeroog, bei denen noch Schmalspurfahrzeuge von Kleinbahnen des Sauerlandes im Einsatz gewesen waren. „Wie können wir die Wagen vor dem Hochofen retten?“, fragten sich Wolf Dietrich Groote und seine Mitstreiter damals. Die Antwort lautete: „Das geht nur mit einem Museumsbahnbetrieb.“ Der heute 69-Jährige war als Stadtplaner in Plettenberg über die alten noch vorhandenen Pläne der Kleinbahn vom Bazillus Eisenbahn angesteckt worden.

In der Wagenhalle zeigt mir Wolf Dietrich Groote, woran er und zwei weitere Eisenbahnfreunde – ein Arzt und ein Maschinenbauingenieur – seit einigen Jahren werkeln: an der Komplettrenovierung eines Pack- und Postwagens der Bielefelder Kreisbahnen (Baujahr 1909). „Das ist ein Puzzle aus 25.000 Einzelstücken. Vom alten Wagen bleibt nicht mehr viel übrig.“ Groote weiß, dass auf das Rentner-Trio noch viel Arbeit wartet.

Das fehlende Material muss nach alten Plänen so originalgetreu wie möglich sein. „So etwas modernes wie Spax-Schrauben werden sie bei uns nicht finden“, sagt der Plettenberger. Zwei fehlende Stahlprofile wurden „per Zufall“ in England gefunden.

Gleich nebenan stehen als Leihgabe zwei Waggons der Museumseisenbahn Bruchhausen – Vilsen, die für einige Jahre wieder in ihre Sauerländer Heimat zurückkehren. Die beiden Wagen waren früher im Besitz der Kreis Altenaer Schmalspurbahn/Eisenbahn, sind voll einsatzfähig, warten aber auf eine Bremsrevision.

Für die rund 2,5 Kilometer lange Museumsbahnstrecke vom Bahnhof Hüinghausen über die Zwischenstation Seissenschmidt bis zur Endstation Köbbinghauser Hammer und zurück benötigt die Dampflok „Bieber-lies“ eine Dreiviertelstunde.

Die Strecke von knapp 2,5 Kilometer ist eigentlich zu kurz, um „ein echtes Reise-gefühl“ aufkommen zu lassen. Deshalb gibt es Pläne, die Trasse nach Plettenberg und vor allem in Richtung Herscheid durch den Rammberg-Tunnel und über das Viadukt bei Birkenhof zu verlängern.

Noch Zukunftsmusik sind auch eine Radroute neben der Museumsbahn oder Fahrten mit der Draisine. Konkreter sind die Inbetriebnahme einer zweiten Dampflok, die Vollendung der Bauarbeiten in der Fahrzeughalle, ein Wasserkran für die Dampflok und der Neubau eines historischen Toilettenhäuschens. Die Arbeit wird dem Verein „Märkische Museums-Eisenbahn“ in den nächsten Jahren jedenfalls nicht ausgehen.

Text/ Fotos: Martin Droste

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