Quentin Tarantino und das Gerlinger Fahnenmeer

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Die WOLL -Kinderreporter – kunterbunt unterwegs bei Signum Trikora

KinderreporterWas haben die Weltstars Quentin Tarantino und Tom Cruise mit dem Sauerland zu tun? Roswitha Merz muss schmunzeln. Bei dieser Geschichte fallen der Geschäftsführerin des Fahnenherstellers in Gerlingen vor allen Dingen wieder die Fächer unter ihren riesigen Zuschneidetischen ein: „Da haben wir das Fahnenmeer für die Filmkulissen von, „Inglourious Basterds“ und „Valkyrie“‘ immer schnell verschwinden lassen, um unsere Kundschaft nicht zu schockieren!“

wienKein Wunder, denn 500 große Hakenkreuzfahnen aus Baumwolle sind Gott sei Dank nicht mehr zeitgemäß. Das übrigens nicht nur mit ihrem unseligen Motiv, sondern auch mit dem Material: Heute fertigt man hochwertige Fahnen und Banner aus Polyester. Bei Signum Trikora versteht man was davon, denn der Marktführer im Gerlinger Industriegebiet „Auf der Mark“ hat Kunden in der ganzen Welt. Lea und Luisa, unsere Kinderreporter, finden die Firma richtig gut, denn es geht gleich kunterbunt zur Sache – was am Kerngeschäft des Unternehmens liegt. Große Rollen aus Kunstfaser in allen Farben werden hier zu sehr dauerhaften und farbechten Produkten zusammengenäht.

Signum TrikoraUnd da geht es richtig rund: Maria Stracke, eine der zwölf Beschäftigten, nimmt sich etwas Zeit und führt eine Nähmaschine vor, die nicht mehr viel mit ihren kleinen Namensvettern im Haushalt zu tun hat. 4.500 Stiche in der Minute macht das Gerät, bei Großaufträgen gehen am Tag auch schon mal zwei Kilometer an Faden durch! Ratterratsch! Ein Meter Fahne fertig. Das muss man können, sonst fährt man ganz fix eine Kurve dahin, wo sie keiner gebrauchen kann. Christian Vrenc sitzt im Büro und erklärt, was das für Ausmaße annehmen kann. Zum Beispiel im Stadion von Rapid Wien: ein 65 Meter langes Banner, 18 Meter hoch, mit dem der österreichische Rekordmeister seine ganzen Pokale feierte. Die waren alle daraufgenäht – und dann kam die Schrecksekunde: „Ein Fan rief bei den Wienern an, weil er gesehen hatte, dass eine Jahreszahl nicht stimmte!“ Roswitha Merz schnappte sich ihre Handmaschine, bestieg den Flieger und korrigierte den Fehler vor Ort, in einer improvisierten Notoperation, sozusagen. Nur gut, dass die modernen Materialien nicht mehr so schwer sind wie die alten Stoffe. „Außerdem dürfen sie nicht brennbar sein, sonst sind sie im Stadion verboten!“

Oft kommt es vor, dass sich zum Beispiel Vereine melden, die ihre Traditionsfahnen erneuert haben möchten. „Die alten Stoffe werden mit der Zeit brüchig, außerdem saugen sie sich mit Wasser voll und werden dann bleischwer“, wie die Chefin den Kindern erklärt. Und auch die Baumwollfarben sind nicht mehr so lichtecht wie früher. Deshab rät man bei Signum Trikora zu einem sehr dauerhaften speziellen Polyester, mit dem alle diese Problem aus der Welt sind.

Signum Trikora
Polyester wird bei Signum Trikora mit dem heißen Draht geschnitten. Die dabei entstehende Schmelzkante hält bombenfest gegen das Ausfransen.

Auch die Mittelkreise auf den Fußballfeldern stammen oft aus Gerlingen, nur weiß das alles niemand, weil die Aufträge von den großen Agenturen kommen und so der Name des Lieferanten natürlich untergeht. „Aber vor ein paar Tagen noch habe ich hinter dem Tor im Maracaña- Stadion von Rio de Janeiro eine spezielle Fahne entdeckt, bei der ich dachte, ach, sieh an, die kennst du doch.“

Doch wie kommt man dazu, mit so einer Firma die Welt ein bisschen bunter zu machen? Roswitha Merz erinnert sich, wie sie vor zwölf Jahren in einem Schuppen in Saßmicke angefangen hat. „Wir haben früher bei Kebbekus & Eibach in Olpe gearbeitet. Als es da irgendwann nicht mehr weiter ging, habe ich das Heft eben selbst in die Hand genommen.“

Signum Trikora
Viele Schützenfahnen kommen aus Gerlingen, so auch die Attendorner Schützenfahne mit dem Kaiseradler. Ob genäht oder bedruckt, alles kann man bei Signum Trikora bekommen. Und den passenden Fahnenmast bekommt man auf Wunsch gleich dazu.

Den Namen „Signum Trikora“ dachte sich damals ihr Sohn aus. Das lateinische Wort „Signum“ steht für ein Symbol, und „Trikora“ ist der Name eines Partnerunternehmens in der Schweiz. Schnell kam der Laden richtig in Schwung und ist heute ein echter „Hidden Champion“. Dabei ist es schwierig, gute zu Leute zu finden, die ihr Handwerk beherrschen, denn der Beruf des Schneiders ist ein aussterbende Kunst. Der Markt wird überschwemmt mit Kleidern vom anderen Ende der Welt, bei denen man sich manchmal fragt, wie der erzielte Preis überhaupt das Material wieder einspielt. Die Qualität lässt da natürlich oft zu wünschen übrig und über die Arbeitsbedingungen der Näherinnen, zum Beispiel in Bangladesh, traut man sich ja kaum nachzudenken. Das ist die Kehrseite vom Billigmarkt, ganz abgesehen davon, mit welchen Chemikalien und Farben die Stoffe behandelt wurden.

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Viele Schützenfahnen kommen aus Gerlingen, so auch die Attendorner Schützenfahne mit dem Kaiseradler. Ob genäht oder bedruckt, alles kann man bei Signum Trikora bekommen. Und den passenden Fahnenmast bekommt man auf Wunsch gleich dazu.

Roswitha Merz drückt Lea und Luisa zum Abschied jeweils eine Deutschlandfahne von Signum Trikora in die Hand: „Die hält auch bis zur nächsten WM. Und bis zur übernächsten auch.“

Das Hochglanzmagazin für die Sauerländer Lebensart „WOLL – Rund um Biggesee u. Listersee“ ist aus dem Hause FREY PRINT + MEDIA GMBH – der Druckerei und dem Medienhaus vor Ort in Attendorn.

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