Poschefeuer und Poschemädchen

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Voll die Bräuche - Poschefeuer und Poschemädchen

WOLL-Tipp.pngWo? Zum Beispiel in Altenkleusheim – Wann? Zu Ostern

Auch in Altenkleusheim zünden die Einwohner zu Ostern ein großes Feuer an, hier bezeichnet man es aber als Poschefeuer.

Voll die Bräuche - Poschefeuer und PoschemädchenDie Vorbereitungen dazu übernehmen die Junggesellen des Dorfes. Sie knattern mit ihren Treckern in die Berge, wo sie reichlich Holzabfall und Fichtenschnitt laden, der danach zum Poschefeuer aufgeschichtet wird. Auch in Altenkleusheim muss der Holzstoß natürlich mit Argusaugen bewacht werden, damit ihn beispielweise die Neuenkleusheimer Spitzbuben nicht vorzeitig im Wettkampf um das größte Feuer abfackeln.

Am Ostersonntagabend kommt der ganze Ort zusammen, um das Poschefeuer zu bewundern. Man singt gemeinsam Osterlieder und der warme Schein des Feuers sorgt für leuchtende Augen bei allen. Besonders bei den unverheirateten Jungen und Mädchen des Dorfes. Denn wenn das Feuer weit genug heruntergebrannt ist, werden schließlich die Poschemädchen verlost. Finde ich persönlich viel spannender als auf der Kirmes, wo man höchstens einen räudigen Riesenteddy gewinnen kann.

Die spannende Verlosung beginnt damit, dass die Namen der Jungs und Mädels auf kleine Zettel geschrieben und dann in getrennte Hüte gelegt werden. Danach wird ohne Rechtsbelehrung und notarielle Aufsicht zuerst aus dem Hut mit den Jungennamen ein Zettel gezogen und der Name des Gewinners laut ausgerufen. Der freut sich zunächst mal ganz verhalten, denn jetzt wird ihm gleich sein Altenkleusheimer Mädchen zugelost. Nicht, dass er dabei eine Niete ziehen könnte, aber wie bei jeder ordentlichen Tombola gibt es halt Hauptgewinne und Trostpreise … Die Spannung steigt. Es wird aus dem Hut mit den Mädchennamen ein Zettel gezogen und der Name darauf ebenfalls laut ausgerufen. Die beiden ausgelosten Glücklichen bilden nun ein Paar. Dä! Der Brauch verlangt, dass der Junge gleich am Ostermontagnachmittag mit einem Geschenk bei seinem Poschemädchen reinschaut und zum Dank dafür Ostereier von ihr serviert bekommt. Guten Appetit! Eierforscher vermuten übrigens, dass der Spruch „Wer Ostern mit Eiern spielt, hat Weihnachten die Bescherung“ in Altenkleusheim entstand.

Oft schließen sich auch gleich mehrere der Jungs zusammen, um ihre Poschemädchen gemeinsam abzuholen. Sobald die Eier gemampft sind, geht es – wie im Sauerland nicht anders zu erwarten – in die nächste Kneipe, wo mit Freunden und Freundinnen gefeiert wird. Angeblich soll bei der Verlosung der Poschemädchen gelegentlich mal geschummelt worden sein, damit die wahren Traumpaare sich auch tatsächlich fanden. So wie David Beckham seine Frau Posche Spice. Ich weiß aber leider nicht, ob die beiden aus Altenkleusheim stammen.

Die Geschichte stammt aus folgendem Buch:

Titel: Voll die Bräuche, woll
Autor: Michael Martin

Umfang: ca.220 Seiten mit zahlreichen Illustrationen und Fotos, Hardcover

Preis: €14.90
ISBN 978-3-943681-22-2

© 2013 WOLL Verlag, Hermann-J. Hoffe, Kückelheim 11, 57392 Schmallenberg
www.woll-verlag.de

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