Confraternität Sti. Nicolai Attendorn von 1328

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Woher die Nikolaistube ihren Namen hat…

Sie ist der Treffpunkt für Aktionen und Veranstaltungen in Haus Mutter Anna: Die Nicolaistube. Direkt im Eingangsbereich auf der unteren Etage trifft man hier fast immer Bewohner, Besucher oder auch Mitarbeiter in geselliger oder geschäftiger Runde. Doch woher hat die Nicolaistube ihren Namen?

Urkunde vom 25. November 1328
Urkunde vom 25. November 1328

Gestiftet wurde sie von der Attendorner Nicolai-Confraternität. Neben der Sebastian-Confraternität ist sie die einzige Bruderschaft, die seit dem Mittelalter besteht, wobei die Nicolai-Confraternität mit 685 Jahren die ältere der beiden ist. Erstmals urkundlich erwähnt werden die Nicolaier bereits 1328, doch die Bruderschaft selber dürfte um einiges älter sein. Die wirtschaftliche Entwicklung Attendorns wurde dadurch begünstigt, dass sich Ende des 12. Jahrhunderts hier zwei wichtige Handelswege kreuzten. Kaufleute aus Attendorn betrieben Handel bis nach England und in den Ostseeraum.

Diese erfolgreichen Kaufleute schlossen sich daraufhin zu einer Handelsgenossenschaft und Bruderschaft zusammen mit dem gemeinsamen Ziel, die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen, besonders im Ausland, umzusetzen. Diesen Zusammenschluss stellten sie unter den Schutz des heiligen Nikolaus, dem Patron der Kaufleute und Seefahrer. Daraus entstand die heutige Nicolai-Confraternität.

Das genaue Gründungsjahr ist nicht bekannt, doch es gibt eine Urkunde vom 25. November 1328, in der der Bau einer Kapelle mit verbundener Vikarie vom Erzbischof Heinrich II. von Köln bestätigt wird. Diese hervorragend erhaltene und in lateinischer Sprache verfasste Pergamenturkunde befindet sich noch heute im Besitz der Confraternität. Sie bestätigt, dass es in Attendorn eine Nikolaikapelle gab. Sie wurde von Mitgliedern der Confraternität in der Nähe des Ennester Tores erbaut, heute Standort der Nicolai-Apotheke.

Es war zunächst eine kleine hölzerne Kapelle, eingebunden in den bestehenden Straßenzug, aus der sich aber im Laufe der Jahre ein massives, wenn auch kleines Gotteshaus entwickelte. Mit diesem Bau wurde die religiöse Richtung der Bruderschaft zum Ausdruck gebracht. Ihre Mitglieder, Confratres genannt, wollten sich gemeinsam den Werken der Nächstenliebe, der Frömmigkeit und der Förderung der Gottesdienste widmen.

Das Modell der Stadt Attendorn im Südsauerlandmuseum zeigt auch die Nicolaikapelle in unmittelbarer Nähe des Ennester Tores. Sie ist das dritte Haus von links, direkt gegenüber dem in den Wall integrierten Wachturm. Diese Kapelle bestand über vier Jahrhunderte und diente der Nicolaibruderschaft zur Andacht sowie als Begräbnisstätte für ihre Verstorbenen. Zur Kapelle gehörte eine Vikarie. Beides musste von den Mitgliedern der Bruderschaft getragen werden. Die Nicolaier hatten das Recht, einen eigenen Vikar zu ernennen.

Sie schlugen dem Attendorner Pfarrer einen geeigneten Kandidaten vor, welchen er innerhalb eines Monats einführen musste. Wurde ein Nichtpriester vorgeschlagen, so musste er die Verpflichtung übernehmen, sich innerhalb eines Jahres weihen zu lassen. Vorraussetzung dafür: Er musste ein ausreichendes Einkommen haben, entweder sein eigenes oder aber die Bruderschaft musste ihn unterstützen. Es wurde also sowohl der Confraternität als auch dem Pfarrer die Verpflichtung auferlegt, sich vorher davon zu überzeugen, ob der für das Amt des Nicolaivikars vorgesehene Mann auch wirtschaftlich geeignet war. Auch heute hat die Nicolai-Confraternität noch einen Vikar. Zurzeit übt dieses Amt Pastor Vorderwülbeke aus.

Am 12. November 1742, beim großen Stadtbrand von Attendorn, wurde die Kapelle ein Opfer der Flammen. Bei diesem Brand gingen auch die Schätze in der Kapelle verloren. Dazu gehörten unter anderem ein Bilderaltar, Kruzifixe, Figuren des heiligen Nikolaus sowie liturgisches Gerät aus Messing und Zinn, Gewänder und Altartücher. Am 6. Dezember 1751 wurde zwar der Grundstein zum Wiederaufbau der Kapelle gelegt, doch die Kapelle selber wurde nicht wieder errichtet.

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Modell der Stadt im Südsauerlandmuseum

Neben der eigenen Kapelle hatte die Confraternität ein eigenes Weinhaus. Hier fanden Besprechungen von kaufmännischen Angelegenheiten und gesellige Zusammenkünfte statt. Dieses Haus lag am Seewerngraben beim Feuerteich. Diese Straßenbezeichnung wird vom Seefahrer-Graben abgeleitet und weist somit noch heute auf die Handelstätigkeit im Nord- und Ostseeraum hin. Geblieben ist die Organisation der Nicolai-Confraternität. So gibt es den ersten und zweiten Provisor. Diese Ämter haben derzeit Christian Beul und Karl-Emil Peiffer inne. Insgesamt gibt es 12 Prinzipale und nochmals so viele Brüder. Neue Brüder sollen möglichst in „Gesamtheit und Eintracht“ der Prinzipale gewählt werden und „als Einstand ¼ Wein, zwei Pfund Wachs und 10 Schillinge zum Besten der Kapelle geben“. Gewählt werden die Mitglieder auf Lebenszeit. Natürlich feiern sie am 6. Dezember, dem Tag des heiligen Nikolaus, ihr Patronatsfest. Gesellige Treffen und Ausflüge gehören ebenfalls dazu.
Eines der wenigen öffentlichen und sichtbaren Projekte, die die Nicolai-Confraternität ermöglicht hat, ist die Errichtung der Nicolaistube in Haus Mutter Anna. Damit ist die Bruderschaft auch heute noch, 685 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung, ein fester und wichtiger, wenn auch oft unbemerkter Baustein für die Gemeinschaft in Attendorn.

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Klaus Walter Hoberg, Karl-Emil Pfeiffer, Cristian Beul und Rainer Bruse (v.l.)

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