Der Wahnsinn hat einen Namen: The Great Dorset Steam Fair

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Seit Jahren machen sich mehrere Cultbus-Doppeldecker aus dem Sauerland im Spätsommer auf den Weg nach England, um das weltgrößte Dampfmaschinen-Treffen „Great Droset Steam Fair“ in der Grafschaft Dorset zu besuchen. Inzwischen war es die 45. Auflage und das Ausmaß ist kaum zu beschreiben: Auf etwa 250 ha, also gut 500 Fußballplätzen entsteht im ländlichen Nichts ein gigantischer Tummel- und Rummelplatz, der an Kuriosität kaum zu überbieten ist. Der Witz dabei ist auch, dass es keine reguläre Stromversorgung gibt. Die riesige Kirmes im Zentrum wird mit den Generatoren der über 60 Showman´s Engines betrieben, die so auch schon vor über 100 Jahren den Strom auf den Jahrmärkten produziert haben. Etwa 200.000 Besucher, in diesem Jahr bei prachtvollem Wetter wohl noch einige mehr, erleben diesen ganzen alten Maschinenpark in Betrieb, denn darum geht es: Stehende Monumente interessieren die Engländer nur bedingt; ihnen ist ein ranziges Schaustück viel lieber, wenn es dafür nur läuft.

Insgesamt werden so über 2000 Aggregate in diesen fünf Tagen betrieben, Dampftraktoren und Walzen, Automobile, Stationärmotoren, LKW, Busse, Trecker, Bagger, Panzer, Motorräder und selbst Melkmaschinen und Gattersägen, vollkommen irre!

Dazwischen und darauf springt der zahlreiche Nachwuchs herum. Vorschulkinder, die auf einem Zwanzig-Tonnen-Dampfmaschinen-Monstrum das Messing am laufenden Gerät in drei Metern Höhe polieren, sind da keine Seltenheit. Übrigens vermischt sich mit dem Stolz auch immer die Wehmut über ein verlorenes Imperium. Zu Zeiten der Frühindustrialisierung waren die Briten unangefochten die Nr. 1 auf dem Weltmarkt: Heute haben sie praktisch keinerlei Schwerindustrie mehr. Und wenn man dann in Dorset die unendlich langen Reihen der Exponate abwandert, dann sieht man als Kontinentaleuropäer viele, viele Namen, die man noch nie gehört hat.

Kostprobe gefällig? Na dann los: Burrell und Fowler, Garrett, Aveling&Porter, Tasker, Foden und Sentinel, Robey, Powell, Albion und Scammell, Commer, Atkinson und wie sie alle heißen. Bei Bedford, Austin und Morris klingelt noch was, aber auch diese Marken sind Geschichte.

Nachts dann laufen in langen Reihen, beleuchtet von tausenden Glühbirnen, die Showman´s Engines im Herzschlag ihres unerklärlich angenehmen Dampftaktes, wobei die dunkel wummernden Eisenungetüme eine behaglich Wärme abstrahlen. Dann rätselt man, ob es nicht gar eine ganz ferne Säuglingserinnerung im Unterbewussten ist, die uns an sichere Zeiten vor unserer Geburt erinnert, keine Ahnung, aber Sachen gibt’s im Stammhirn, die wir nicht verstehen können. Das große Finale schließlich kommt am Samstag um Mitternacht. Es ertönt „God safe our gracious Queen“, die Nationalhymne, geschmettert von einem großen Chor mit Stimmbändern, die durch Staub, Fettkohlenruss und Cider ihr feinstes Timbre freilich verloren haben, dann jedoch wird alles vom Konzert der unzähligen Dampfpfeifen übertont: Unbeschreiblich.

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Bericht & Film, Bilder: Achim Gandras

 

 

 

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