Werner Sprenger ist der einzige Falkner im Kreis Olpe

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WOLL Sauerland, Habicht Jagd
Werner Sprenger mit seinem Terzel Trenk, einem jungen Finnischen Habicht.

Die Welterbeliste der UNESCO ist der prominenteste Schutz für die wichtigsten Kulturgüter der Menschheit. Einerseits ist es ein Verzeichnis besonderer Bau- und Kunstdenkmäler, wie der Kölner Dom eines ist oder auch die Pyramiden von Gizeh. Es existiert aber zudem eine Auflistung der „immateriellen Kulturgüter“, die besonders zu schützen sind. Dazu gehören Erbschaften wie die gregorianischen Gesänge oder auch der traditionelle Geigenbau in Cremona. Es findet sich dort aber auch die uralte Kunst der Falknerei.

Werner Sprenger aus Frettermühle hat sich dieser Leidenschaft verschrieben. Der selbstständige Ofenbau- und Fliesenleger-Meister besitzt seit Juli 2012 einen jungen Finnischen Habicht, den er aus einer Zucht in der österreichischen Steiermark erworben hat. Damit hat er sich einen Traum aus Jugendtagen erfüllt, als er zum ersten Mal mit dieser großen Tradition in Berührung kam: „Mein Vater Egon, ein echter Weidmann, hatte einen Arbeitskollegen, Ernst Stell, der damals die Falknerei betrieb. Diese natürlichste aller Jagden zieht dich schnell in den Bann.“ Werner Sprenger stülpt den schweren Lederhandschuh über, um den Terzel an einer Leine darauf zu setzen. Trenk heißt er; und dazu hat der Jäger gleichzeitig einen roten Rauhaardackel aufgezogen, denn die Tiere werden gemeinsam zur Beizjagd abgerichtet. Der Jagdschein ist dabei Pflicht. Werner Sprenger besitzt ihn seit 35 Jahren, aber eine spezielle Prüfung ist ebenfalls zu absolvieren. Nach einem Kurs in Köln ist er nun Mitglied im Deutschen Falkner Orden DFO, und im Kreis Olpe ist er wohl zurzeit der einzige, der ohne Flinte zur Jagd auf Federwild geht.

Übrigens sind das besondere Qualitäten, denn Greife werden zum Beispiel an Flughäfen und in Städten eingesetzt, um der Tauben- oder Krähenplage Herr zu werden, die nicht nur die Luftfahrt gefährden, sondern auch die Bausubstanz ruinieren: Unverantwortlich, in der belebten Innenstadt eine Flinte auszupacken – da ist dann der Greifvogel in seinem Element.

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Sei froh, dass du keine Krähe bist…

Der Ursprung der Beiz, der „Beißjagd“, liegt wohl in den großen, deckungslosen Steppen Kleinasiens. Wir haben es hier mit einer Kunst zu tun, die rund 3500 Jahre zurückreicht. Homer erwähnt sie vor 2700 Jahren in seiner Odyssee und Marco Polo berichtet von riesigen Falknerscharen am Hof des Mongolenkaisers Kublai Khan. Aber die berühmteste historische Figur ist der Stauferkaiser Friedrich, der gute Kontakte zur arabischen Welt pflegte, in der die Falknerei bis heute eine bedeutende Rolle spielt. Im frühen 13. Jahrhundert schrieb er sogar ein Buch zum Thema, „De arte venandi cum avibus“, von der Kunst, mit Vögeln zu jagen. Hier mag der Grundstock liegen, dass spätere Fürsten es als ihr besonderes Privileg betrachteten, mit Falken, Habichten, Adlern und sogar Uhus auf die Jagd zu ziehen. Wie ernst das genommen wurde, zeigt uns ein Bericht aus Westfalen im 18. Jahrhundert, in dem es heißt, dass unser Kölner Kurfürst und Landesherr Clemens August per Dekret der Einzige im ganzen Lande war, der überhaupt mit dem Greif einen Reiher jagen durfte, die wohl königlichste Disziplin im Ansehen jener Zeit. Ganz abgesehen davon jagen die Kirgisen und Kasachen bis heute mit dem Berkut, dem russischen Steinadler, sogar Wölfe, was man kaum für möglich halten möchte. Dazu nehmen sie die Weibchen, die, wie bei allen Greifvögeln, größer und stärker sind als die Terzel. Und hier findet sich auch die Erklärung für den Namen, denn die Terz, das Drittel, steckt darin: jenes Drittel, um das die Männchen stets kleiner geraten.

De arte venandi cum avibus“:Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen.

So einen Jagdkumpan bildet nun Werner Sprenger aus. Sein Finnischer Habicht fühlt sich im Sauerländer Klima sehr wohl und Wolfgang Reuter aus der Eifel, der sich besonders auf die Beizjagd versteht, hatte ihm auch genau zu einem solchen Tier geraten. Wenn alles gelingt, dann wird Rauhaardackel „Xantos vom Wacholder-pöttchen“ bald als Vorstehhund das Federwild aufscheuchen und Trenk, der Terzel, sich vom Arm seines Herrn aufschwingen und die Beute schlagen, wie es die Habichte auch in freier Wildbahn halten. Geübt muss das werden, immer und immer wieder. Dazu wird das Federspiel verwendet, ein geflügeltes Lederkissen, das der Falkner als Wildattrappe am Seil über dem Kopf kreisen lässt. Später, bei der Jagd, steigt der Habicht weit über 100 Meter in die Luft, um das aufgescheuchte Wild im Sturzflug mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde anzugehen. Dabei stürzt er mit angelegten Schwingen fast zu Boden, öffnet sie halb und geht direkt in die Flugbahn seiner Beute, um sie noch in der Luft zu schlagen. Werner Sprenger trägt so eine Jagdtradition weiter, die bis in die Vorzeit unserer menschlichen Kultur zurückreicht.

von Achim Gandras [Text], Achim Gandras [Foto]

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