Mit dem Wind um die Welt – Karl Heinz und Annette Virnich aus Attendorn

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1519 startete der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan im Auftrag der spanischen Krone die erste Weltumsegelung. Nach drei Jahren kehrte von den anfangs fünf Schiffen nur eins mit einer kleinen, 18-köpfigen Mannschaft zurück. Allerdings ohne Magellan. Der hatte sein Leben auf den Philippinen verloren. Die Reise aber, die unter dem Spanier Juan Sebastián Elcano beendet wurde, bewies, dass die Erde rund ist. Nicht nur das: Man erkannte die Notwendigkeit einer Datumsgrenze. Und Magellan fand vor der Spitze Südamerikas eine Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik. Lange blieb die nach ihm benannte Magellanstraße die bedeutendste Seeroute in den sogenannten Stillen Ozean, bis 1914 der Panamakanal öffnete.

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Die „Circe“

Eine Weltumsegelung hat für die meisten Menschen bis heute nichts an Faszination verloren. Für viele bleibt sie ein Wunsch, für einige wenige wird sie Wirklichkeit. So wie für Karl Heinz und Annette Virnich aus Attendorn.
2011 sind sie im holsteinischen Neustadt an der Ostsee gestartet. Dort ist der Heimathafen ihrer Yacht „Circe“. Die westeuropäische Küste entlang ging es gen Süden bis zu den Kanaren und den Kapverden vor der Westküste Afrikas. Von da quer über den Atlantik bis in den Süden von Brasilien und schließlich wieder nordwärts in die Karibik. Die „Circe“ liegt zurzeit in Saint Lucia, eine Insel der Kleinen Antillen. Die Eheleute sind zu Hause in der Hansestadt. W.O.L.L. hat sie besucht.
Die Geschichten, die die beiden erzählen können, würden alleine in Kurzfassung viele Seiten füllen. Ein Drittel ihres noch unbestimmten Weges rund um den Globus haben sie hinter sich, sind insgesamt 13.000 Seemeilen gesegelt, immer wieder verbunden mit Aufenthalten auf festem Boden. Mal wenige Tage, mal mehrere Wochen oder auch Monate, um Kulturen, Menschen und Länder zu entdecken oder schlichtweg auf den richtigen Wind zu warten. „Stecken dahinter Weltenbummler auf der Suche nach Freiheit?“ möchten wir wissen.

 

WOLL Sauerland Segelboot
Herrliche Aus- und Einsichten, wenn man mit dem Segelboot reist.

„Die Freiheit, die wir haben, wissen wir zu schätzen. Wir haben keinen Druck und können uns die Zeit einteilen, wie wir es wollen“, sagt Annette. „Die Welt ist so groß und unendlich schön. Bei mir käme noch vieles andere vor. Aber auf Rücksicht auf meine Frau bleiben wir in Gebieten, in denen es nie kälter als 25 Grad ist“, ergänzt Karl Heinz. Da könnte man doch blass werden vor Neid. Aber Träume sind da, um wahr zu werden. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wir werden also weiter daran arbeiten.

Karl Heinz Virnich ist Unternehmer. 1997 gründete er die Heldener Metall Technik HMT. Steuert er also nicht nur sein Schiff, sondern auch seine Firma von hoher See aus, fragen wir uns? Bis 2011 war er alleiniger Gesellschafter der HMT, hat dann 40 Prozent der Anteile an die neuen Nachfolger verkauft und ist aus der Routinegeschäftsleitung ausgestiegen. „Wir stimmen uns bei wichtigen Dingen ab. Und natürlich will ich die Monatsberichte sehen“, erklärt der Chef.

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Mick Jagger hat sie besessen und bekannt gemacht: die „Basil´s Bar“ auf der karibischen Nobelinsel Mustique.

Die 49 Fuß, sprich 15 Meter lange Yacht ist eine Hallberg-Rassy. Die schwedische Werft genießt Weltruf und ist bekannt für solide Bauweise und hohen Standard in der Ausrüstung. Und so hat die „Circe“ nicht nur Klimaanlage, Geschirrspüler und Waschmaschine, sondern ebenso eine Satellitenanlage, sprich Telefon und E-Mail-Anschluss, ist online, wo immer sie sich auf der Welt auch befindet.

Seit 1967 segelt Karl Heinz Virnich. Zu seinem nautischen Leben kam der gebürtige Kölner, der 1979 in Attendorn sess-haft wurde, eher zufällig. Eine Einladung zum Jollensegeln auf dem Ijsselmeer brachte ihn in jungen Jahren aufgrund widriger Umstände in die Verlegenheit, als echter Neuling alleine ein Boot zu steuern. „Ich hatte so viele Erfolgserlebnisse und merkte, ein Segelboot treibt nicht einfach wie ein Fesselballon vor dem Wind her, sondern man kann es wirklich führen. Das hat mir gefallen“, erzählt er. Da spricht doch ein erfolgreicher Unternehmer, meinen wir. In jeder Lage den richtigen Kurs wählen und die Segel entsprechend setzen.

Als eine Herausforderung empfinden die Virnichs ihre Weltumsegelung indes nicht. „Ich hatte in meinem Leben genügend Herausforderungen. Ich brauche keine mehr“, sagt Karl Heinz. „Rein seglerisch ist eine Tour in der Ostsee, wo alle Kurse vorkommen, fast schon spannender. Wir segeln ja tage- lang mit Wind aus der gleichen Richtung.“ Was treibt, sei die Neugier auf die schönsten Länder und Orte der Welt. Und da die beiden gerne segeln, sei das in jedem Fall schöner, als mit dem Flugzeug zu reisen.

„Mit dem Segelboot erlebt man alles ganz anders, viel intensiver“, erklärt Annette. Ganz entspannt geht es also über die Ozeane. Lesen, essen, schlafen und genießen. Der Komfort ist hoch. „Anstrengend wird es nur, wenn es eine Panne gibt“, sagen sie.
Aber hat man eigentlich auch Angst? „Statistisch gesehen passiert beim Autofahren mehr. Allerdings denkt man häufiger über die Risiken, die es ohne Frage gibt, nach“, so Karl Heinz. Zum Beispiel Wale, die man nachts im Schlaf überraschen könnte. Dazu das Risiko technischer Defekte. Die gilt es nach Möglichkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Grundlage des Glücks unter Segeln auf hoher See ist ungeachtet dessen technischer Sachverstand und seemännisches Können. Segeln ist eben ein Handwerk, zudem ein sehr altes.

Ende des Monats verlassen die Virnichs wieder das Sauerland. Die ABC-Inseln – Aruba, Bonaire und Curaçao – und schließlich Kolumbien sind die nächsten Ziele. Im Januar geht es durch den Panamakanal zu den Galapagosinseln und von da in den Pazifik Richtung Neuseeland. Die längste Nonstop-Strecke misst 3.000 Seemeilen, das heißt bei gutem Wind rund 20 Tage auf hoher See. Für diesen langen Schlag über den größten und tiefsten Ozean der Erde kommt Klaus Schulte, ebenfalls erfahrener Segler und wohnhaft in Rehringhausen, mit an Bord. Leser des W.O.L.L.-Magazins haben ihn in der letzten Ausgabe bereits kennengelernt. Bis Tahiti wird er dabeibleiben.
Die Weltumsegelung von Karl Heinz und Annette Virnich soll noch ein paar Jahre dauern. Wenn sie Ende des kommenden Jahres in Australien sind, werden sie ihre Route weiter planen. Bleibt zu fragen, wo es auf der bisherigen Route am schönsten war. Gar nicht so einfach zu beantworten. „Schön ist, dass der Alltag so schön ist“, findet Karl Heinz. „Jeder Ankerplatz hat seine eigene Erhabenheit. Schön ist immer wieder auch das Sauerland“, sagt Annette. „Es ist und bleibt unsere Heimat“.

W.O.L.L. jedenfalls dankt für die spannende Stunde, wünscht weiter gute Reise und immer ein Handbreit Wasser unterm Kiel!

von Birgit Engel [Text], Familie Virnich [Foto]

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