Interview mit Fritz Blach

„Mount Everest? Da klettere ich lieber im Sauerland!“

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WOLL Sauerland Bergsteigen

Fritz Blach, Jahrgang 1958, gilt heute als einer der renommiertesten Bergsteiger und Sportkletterer mit einem Bekanntheitsgrad weit über das Sauerland hinaus. Geboren und aufgewachsen in Wenden-Girk-hausen lebte der gelernte Landwirt und studierte Maschinenbauer zwischen 1987 und 2008 in Attendorn, bevor es ihn wieder nach Girkhausen zog. Der ausgebildete Fachübungsleiter „Hochtouren“ der Sektion Gummersbach des Deutschen Alpenvereins (DAV) hat unter anderem sämtliche Haken an den Kletterrouten am Unteren Elberskamp angebracht. Im Gespräch mit der W.O.L.L.-Redaktion äußerte sich der Kletterexperte über die Faszination Berg und zum wichtigen Thema Naturschutz.

W.O.L.L.: Wann haben Sie das Klettern für sich entdeckt?

FB: Das war im Jahr 1981, als ich mit 23 Jahren in den Dolomiten mit dem Klettern begann, nachdem ich zu Hause einen VHS-Kurs im Elberskamp besucht hatte. Der Klettervirus hatte mich allerdings schon sechs Jahre zuvor bei einem Klassenausflug nach Südtirol befallen.

W.O.L.L.: Ob Jordanien, Alaska, Tansania oder Ecuador: Das Klettern hat Sie überall hingeführt. Wie viele Gipfel haben Sie erreicht?

FB: Das weiß ich ehrlich nicht so genau, die hab ich nie gezählt. Bis auf Australien habe ich jedenfalls alle Kontinente durch. Dort war ich mit dem Fahrrad unterwegs.

W.O.L.L.: Gab es bei all den Klettertouren einen schönsten und einen bittersten Moment?

FB: Im Jahr 1995 war ich auf dem Mount McKinley in Alaska. Der Gipfel liegt da auf 6.194 Metern. Aufgrund eines Schneesturms musste ich bei 6.000 Metern umkehren. Das war ein sehr bitterer Moment. Und einen schönsten Moment? Den hab ich eigentlich immer, wenn ich unterwegs bin!

W.O.L.L.: Gibt es einen Lieblingsberg?

FB: Nein, ich nehme alles, was da so rumsteht …(lacht).

W.O.L.L.: Was ist mit dem Mount Everest?

FB: Der ist nicht mein Ding. In meinen Augen hat der Mount Everest nichts mehr mit Bergsteigen zu tun, da er leider total durchkommerzialisiert ist. Mit dem nötigen Kleingeld wagen sich auch Nicht-Bergsteiger an den Everest und hinterlassen dabei tonnenweise Müll. Und als ich neulich gehört habe, dass die ansonsten so friedlichen einheimischen Sherpas den bekannten Bergsteiger Ueli Steck verprügelt und mit dem Tod bedroht haben, ahnt man, worum es mittlerweile beim Mount Everest geht.

W.O.L.L.: Gab es denn nie den Traum vom „Dach der Welt“?

FB: In jungen Jahren schon. Ich habe mir mit Beginn meiner Kletterkarriere im Jahr 1981 sogar ein Sparbuch hierfür angelegt. Das gibt es heute noch. Ich vermisse da aber heute nichts, dafür habe ich woanders zu viele tolle 4.000er und 5.000er gemacht. Außerdem würde ich eine Everest-Tour heute nicht mehr schaffen.

W.O.L.L.: Warum das nicht?

FB: Ich habe Schwierigkeiten mit der Höhenverträglichkeit und schon immer mit Asthma zu kämpfen.

W.O.L.L.: Da verdienen Ihre Leistungen ja noch mehr Respekt. War das ein Grund, dass Sie sich neben dem Bergsteigen auch schon lange dem Sportklettern verschrieben haben?

FB: Nein, das Sportklettern hat ganz allgemein das Bergsteigen fast schon abgelöst. Viele verfahren da halt nach dem Motto: „In der Kürze liegt die Würze.“ Da ist auch nichts gegen einzuwenden. Ich selbst mache beides wirklich sehr gerne. Kämpfen und Ziehen muss man sowohl beim Bergsteigen als auch beim Sportklettern.

W.O.L.L.: Was ist mit dem Indoor-Klettern?

FB: Das ist ebenfalls eine schöne Alternative, an der ich selbst Spaß habe. Es gibt wunderbare Kletterhallen in der Nähe wie zum Beispiel in Dortmund oder Köln und demnächst auch in Siegen, die voraussichtlich im Jahr 2014 eröffnet wird. Allerdings warne ich die Hallenkletterer, die zum ersten Mal draußen klettern, immer wieder davor, das Klettern draußen zu unterschätzen. In der Halle wird zwar kraftbetonter geklettert, aber die Wege sind farblich gekennzeichnet vorgegeben. Viele unterschätzen dann draußen den Sicherheitsgedanken. Da liegen halt keine Fallschutzböden auf dem Boden, die einen bei einem Sturz weich landen lassen. Deshalb hat der DAV die Kampagne „Draußen ist anders“ ins Leben gerufen.

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Der 5-jährige Ole macht es vor: Klettern ist keine Frage des Alters.

W.O.L.L.: Sollte der Klettersport in den Schulen angeboten werden?

FB: Wird er ja bereits. Es gibt Schulen wie das Städtische Gymnasium in Olpe, bei denen steht das im Sportangebot. Ich begrüße das natürlich, denn dadurch kommen immer wieder junge Kletterer in unsere Gebiete. Wichtig ist, dass jeder Kletterer, ganz egal ob routiniert oder Anfänger, mit den Interessen der Tier- und Pflanzenwelt konfrontiert wird.

W.O.L.L.: Naturschutz ist bei Ihnen eine Herzensangelegenheit, oder?

FB: Absolut, das sollte bei jedem Kletterer so sein. In den 1980er-Jahren wurde der Naturschutz viel zu wenig beachtet. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Felsen aus Naturschutzgründen gesperrt wurden. Der DAV hat dann irgendwann angefangen, da gegenzusteuern, und Konzepte erstellt, aus denen hervorgeht, in welchem Rahmen wann und wo geklettert werden darf, ohne die Natur zu stören. Gerade auf den Felsköpfen wachsen spezielle Pflanzenarten, die nur dort überleben können. Nehmen wir das Beispiel Unterer Elberskamp, wo Küchenschelle, Seidelbast und verschiedene Orchideen-arten zur Vegetation gehören. Diese Felsköpfe dürfen die Kletterer selbstverständlich nicht betreten. An vielen Felsen verbringen auch Wanderfalken und Mauereidechsen ihre Brut- und Aufzuchtzeit. In NRW gibt es auch noch etwas über 100 Wanderfalkenpaare und einige Uhus, auf deren Belange wir Kletterer unbedingt eingehen müssen. Der Naturschutz hat absoluten Vorrang. Seit dem Jahr 2003 nehme ich als Sprecher des Arbeitskreises „Klettern und Naturschutz“ für den Kreis Olpe und den Oberbergischen Kreis an vielen Gesprächen mit Behörden, Umweltverbänden und Grundstückseigentümern teil, um hier an den notwendigen Kompromissen mitzuwirken.

W.O.L.L.: Hat ein Kletterer wie Sie, der eigentlich schon alles erlebt hat, noch Ziele?

FB: Ich möchte so lange wie möglich klettern und suche mir immer wieder neue Herausforderungen. Kanada und die USA mit den Canyonlands oder die Sandsteinfelsen in Utah fallen mir da ein. Schön wären auch noch einmal die Bruchhauser Steine, aber die darf man seit den 1990er-Jahren nicht mehr erklettern.

W.O.L.L.: Wie lassen sich die Kletterfelsen im Kreis Olpe klassifizieren?

FB: Insgesamt gibt es 900 Felsen im Kreis Olpe, davon sind ungefähr 40 zum Klettern geeignet, aber nicht alle freigegeben. Zu den bekanntesten Kletterfelsen gehört der Untere Elberskamp bei Heggen, der trotz eines eher brüchigen Gesteins ein breites Spektrum an Kletterrouten bietet und daher weit über unsere Grenzen hinweg bekannt und beliebt ist. Die Felswand in Borghausen im Repetal ist anspruchsvoll und hat einen schönen festen Fels. Und am Scharpenbeul, der ja schon im Märkischen Kreis liegt, erleben Kletterfreunde an gut abgesicherten Routen fast schon so etwas wie Genussklettern.

W.O.L.L.: Was ist das Faszinierende am Klettern?

FB: Das Naturerlebnis, die Freude an Bewegung, der Spaß am Sport. Klettern ist einfach ein Abenteuer!

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