Der Schlüsenlehrpfad

Der Kreis Olpe ist seit Jahrhunderten ein Verkehrsknotenpunkt

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WOLL Sauerland Schluesen
Tief schneiden die alten Trassen ihre Spuren durch den Wald.

Tiefe Furchen durchschneiden den Wald zwischen Germinghausen und Scheda. Eine neben der anderen, zehn, zwölf Stück an der Zahl. Ein stiller Ort, wenn da nicht das gleichförmige Rauschen der nahen Autobahn A 45 oben am Hang wäre. Dass diese so unterschiedlichen Wege viel gemein haben, will man erst gar nicht so recht glauben. Und doch: Das heutige Bodendenkmal der „Schlüsen“, der alten Hohlwege, die man seit einigen Jahren auf dem gut beschilderten Schlüsenlehrpfad erkunden kann, ist nichts anderes als die mittelalterliche Ausgabe jenes Handelsweges, der heute das Ruhrgebiet mit Siegen und Frankfurt verbindet. Ebenso verhält es sich mit dem Verlauf der A 4 nach Köln, denn auch das sind uralte Verbindungen.

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Ein Fuhrmann, wie er auch bei uns unterwegs war. Hier im Kupferstich aus dem Ständebuch des Christoph Weigel von 1698.

Oben zieht die endlose Karawane der Lkws vorbei, die von Olpe bis Siegen mit 20 Tonnen Ladung eine halbe Stunde brauchen: Auf dem Schlüsenlehrpfad jedoch werden die Anstrengungen offensichtlich, die frühere Fuhrleute und Reisende auf sich nehmen mussten. Das heißt nichts anderes, als dass man mit seinem Ochsenkarren von vielleicht acht oder zehn Zentnern nach Siegen einen ganzen Tag unterwegs war, vom Morgen-grauen bis in die Dämmerung, wenn es überhaupt gelang. Das tückische dabei war der haarsträubende Zustand der Wege. Denn trotz der Anordnung von oben, die vollkommen unbefestigten Trassen wenigstens einigermaßen instand zu halten, besaß wohl niemand der Anwohner ein besonderes Interesse daran. Auf guten Wegen kam man gut voran und übernachtete schließlich woanders, Räder brachen nicht, die man sonst hätte reparieren können, und auch der Vorspanndienst war nicht gefragt, bei dem sich die Kötter vor Ort etwas dazu verdienten, wenn sie ihre frischen Tiere bergauf mit vor den ächzenden Karren spannten. So wurden die Furchen immer tiefer; und waren sie schließlich unbefahrbar, wurde die nächste direkt daneben angelegt. Dabei war der direkte Weg die Ideallinie. Folgt man heute dem Verlauf der alten Heidenstraße von Köln über den Schnüffel bei Meinerzhagen in Richtung Attendorn und von dort über Grevenbrück, Ödingen und Winterberg bis nach Leipzig, so weicht die Jahrhunderte alte Trasse an keiner Stelle weiter als fünf Kilometer von der Luftlinie ab! Nach Möglichkeit verlief der Weg am Hang unterhalb des Bergscheitels entlang, was vor Überschwemmungen im Morast des Tales ebenso bewahrte wie vor den schlimmsten Schneeverwehungen im schneidenden Wind auf der winterlichen Höhe.

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Der Schlüsenlehrpfad zwischen Scheda und Germinghausen lädt zu einem schönen Wandernachmittag ein.

Gerade der Kreis Olpe verfügt über eine große Anzahl dieser alten Fernwege. Die Erze und Schmiedeprodukte aus dem Sauer- und Siegerland waren ein bedeutendes Handelsgut, das reißenden Absatz fand und daher transportiert werden musste. So finden wir neben besagter Heidenstraße auch Reste des Kriegerweges, von Siegen kommend in Richtung Paderborn, der Eisenstraße, die ebenfalls von Siegen kommend über Olpe nach Schwelm führte, oder auch den Römerweg, der von Bonn über Olpe und Elspe in Richtung Brilon ging. Und überall liegen noch heute manche alte Wegstücke im Wald verborgen. Sehr eindrucksvoll auch in Attendorn, wenn man zur Burg Schnellenberg herunterfährt und sich rechts von der letzten Kurve vor den Tennisplätzen einmal im hohen Fichtenwald umsieht. Aber ganz besonders ist doch der Schlüsenlehrpfad bei Drolshagen, auf dem man mit seiner interessanten Beschilderung noch sehr viel mehr über dieses spannende Kapitel der Transportgeschichte erfahren kann.

von Achim Gandras [Text], Achim Gandras und Drolshagen Marketing [Foto]

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