Bushido – der Weg des Kriegers

Volker Paternoga und Kai Kinkel haben sich der japanischen Kampfkunst verschrieben

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WOLL Sauerland Bushido
Die Kata sind komplexe Bewegungsabläufe, die solange geprobt werden, bis sie minutiös gelingen.

Es ist eine Kunst vom anderen Ende der Welt. Und doch meinen wir schnell, zumindest in den Grundzügen etwas davon zu verstehen. Zu viele Filme und Fernsehserien haben sich mit den martialischen Traditionen der alten Samurai beschäftigt, und nur zu oft ist eine schrillbunte Mischung aus Theater und Effekthascherei dabei herausgekommen.

Doch diese Kaste des alten japanischen Schwertadels beruft sich tatsächlich auf eine reichlich 1200-jährige Tradition, wobei die mythischen Wurzeln noch ungleich länger zurück reichen. Unbestritten ist dabei die große Furcht, die man diesen exzellent ausgebildeten Fechtern im Fernen Osten entgegenbrachte. Und bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war das Ethos der vollkommenen Selbstaufgabe eine ureigen japanische Bedrohung: Den Kamikaze-Fliegern, die sich samt Flugzeug auf feindliche Schiffe stürzten, hatte man mit westlichem Gedankengut nichts entgegenzusetzen.

Freilich waren in dieser Zeit die echten Samurai längst Geschichte, denn mit der Industrialisierung Japans zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie gründlich entmachtet worden. Aber ihre raffinierte Kampfkunst blieb erhalten; und auch im Kreis Olpe gibt es einige Anhänger dieser höchst komplexen Form der Körperbeherrschung.

Volker Paternoga und Kai Kinkel, beide aus Hünsborn stammend, beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Bujinkan, einer Zusammenfassung der Lehren aus neun traditionellen Kampf-schulen der Ninja und Samurai. Beide tragen sie den Schwarzen Gürtel des Meisters, Kinkel im fünften Dan, Paternoga im 15. und somit höchsten Meistergrad, den man erlangen kann. Seit 13 Jahren reist er alljährlich nach Noda im Südwesten von Tokyo, um von seinem Großmeister, dem Soke, Dr. Masaaki Hatsumi noch etwas dazuzulernen. Dieser mittlerweile 82-Jährige ist Nachfolger des in Japan sehr populären Takamatsu, der bereits 1972 hochbetagt gestorben ist.

Grundlagen sind die Kata, mehrere Hundert Bewegungsabläufe, die so minutiös geprobt werden, dass man schließlich eine Körperbeherrschung erlangen kann, die zum Beispiel einen Schwertstreich mit verbundenen Augen ermöglicht, der einen Apfel auf dem Kopf eines Gegenübers präzise halbiert.

Für Paternoga hatte alles in den 1970er-Jahren begonnen, als die Fernsehserie „Kung Fu“ mit David Carradine einen Boom für asiatische Kampfkunst auslöste. In Siegen eröffnete damals eine Schule für diese chinesische Tradition. Ab 1984 erlernte er dort die sehr flüssigen Bewegungsabläufe. 1988 dann besuchte er ein erstes Bujinkan-Seminar in Köln – und dieses japanische Pendant sollte ihn nicht mehr loslassen.

„Wenn in Deutschland von Karate gesprochen wird, dann ist meist Shotokan gemeint, das im Prinzip jedoch eine Form des Taekwondo ist“, wie Volker Paternoga erläutert.

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Volker Paternoga (li.) und Kai Kinkel im Dress, dem Keiko-Gi, mit Schwert Katana und
Lanzenklinge Naginata. Dazu ein traditioneller Kampfpanzer der japanischen Samurai.

Da ist sie also schon erreicht, die Grenze meines Halbwissens. Es muss aber wohl so sein, dass die Schule des Takamatsu, der die beiden Sauerländer folgen, nicht so „eckige“ Bewegungsabläufe lehrt, wie es im Karate der Fall ist. Grundlage jedenfalls ist der Schwertkampf. Und die beiden wendschen Sauerländer haben die entsprechenden Werkzeuge parat, wie das Katana, eine höchst bedrohliche Waffe mit gekrümmter Klinge, auf deren Flanke eine leichte Spur, die Härtelinie, zu sehen ist. Diese Schwerter werden bis heute in einem sehr aufwendigen Prozess hergestellt, und zwar genau so, wie es überliefert ist. Beim Schmiedevorgang wird der harte Stahl der Schneide um einen weicheren Kern gelegt, was nach aufwendigem Schliff eine besonders zähe und scharfe Waffe ergibt. Die in Japan hochverehrten Künstler, die solche Relikte der alten Kaiserzeit erschaffen, punzen zum Schluss jede Klinge mit ihrem Zeichen. Später korrodiert das Schwert in diesem Bereich sogar, denn selbst ein Wisch mit Politur würde die ursprüngliche Handschrift des Meisters verändern, was dem Traditionalisten vollkommen undenkbar ist.

Volker Paternoga und Kai Kinkel haben sich dieser Welt verschrieben und es bleibt die Frage, wohin dieser Weg sie führen soll. „Mit dem fünfzehnten Dan ist alles erreicht, was du sichtbar erreichen kannst. Danach machst Du einfach weiter. Unserem Soke Masaaki Hatsumi sind Titel vollkommen gleich, er hat sich aus diesem System der Rangordnungen in der Gesellschaft schon lange verabschiedet. Womöglich ist es genau das, was uns schließlich befreit: der Gleichmut.“

von Achim Gandras [Text], Achim Gandras [Foto]

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