Bundesschützenfest in Rüblinghausen

Schnitzer, Schreiner, Schützen und Meisterstücke

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WOLL Sauerland Rüblinghausen
Der eine war, der andere ist: Vogelbauer Klaus Heuel und Tim Maiworm.

Traditionsbewusst und heimatverbunden, gesellig und gemeinschaftlich, professionell und die Zukunft im Blick: Das sind unsere Schützen. Alle drei Jahre trifft sich die große Familie des Sauerländer Schützenbundes mit seinen 346 Vereinen und 167.720 Mitgliedern zum Bundesschützenfest. In diesem Jahr bei den St. Matthäus Schützen in Rüblinghausen.
„Das Bundesschützenfest ist für unsere Größenordnung schon eine Hausnummer“, weiß Vorsitzender Markus Bröcher:

Der vergleichsweise kleine Verein hat sich mit der Großveranstaltung unter grün-weißen Fahnen einiges vor die Brust genommen.
Vom umfassenden Sicherheitskonzept über die staufreie An- und Abreise der geschätzten 12.000 Schützen und Musiker alleine am Sonntag, der gebührenden Unterbringung und Verpflegung bis zum perfekten Festzug und Festablauf steht er mit Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft Gewehr bei Fuß.

In der Tat: Rüblinghausen ist der kleinste Ort, in dem das „Fest, das seinesgleichen sucht“, um es mit den Worten von Bundesoberst Karl Jansen zu sagen, je ausgerichtet wurde. Selbst Velmede im Hochsauerland, Ausrichter 1977, ist mit rund 3.300 Einwohnern dreimal so groß.

In der Zusammenschau, so Bröcher, sei die Ausrichtung des Bundesschützenfestes die logische Konsequenz einer Kette von großartigen Ereignissen: Angefangen bei Jürgen Stahl, König von Rüblinghausen und Bundesschützenkönig von 2001, der daraus folgenden Teilnahme am Europaschützenfest 2003 in Österreich bis letztendlich zur Ausrichtung des Kreisschützenfestes im gleichen Jahr. „Mit viel positiver Resonanz im Nachgang und hilfreichen Erfahrungen. Das Bundesschützenfest ist eben nur größer“, findet er. Keine Frage, dass man von der unmittelbaren Nachbarschaft zur Kreisstadt profitiert. „Ein Pfund, das wir gerne nutzen.“ Mit dem Zuschlag auf der Bundesdelegiertenversammlung im April 2010 stieg man gleich in die Planungen ein. Und heute ist, so wird vermeldet, alles in trockenen Tüchern.

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Die St. Matthäus Schützen haben sich mit dem Bundesschützenfest einiges vorgenommen und vermelden: Es ist alles in trockenen Tüchern. (V.l.n.r.:) Hauptmann Jürgen Nitschke, der 2. Vorsitzende Olaf Dierig, Vorsitzender Markus Bröcher, Geschäftsführer Dietmar Moess und Kassierer Christian Spitzer.

Alle Hände voll zu tun hat noch Tim Maiworm. Der 21-Jährige baut die Vögel und ist nicht nur mit fünf Exemplaren der traditionsreichen Trophäe für die artgerechte Füllung der Kugelfänge verantwortlich, er hat das Amt des Vogelbauers erst in diesem Jahr von Klaus Heuel übernommen und gibt also sein Debüt.

Gut, einen Jungschützenvogel hat er schon einmal gebaut, sozusagen sein Bewährungsstück. Wenn aber im September die amtierenden Könige der Vereine aller sieben Kreisschützenbünde Jagd auf den Titel des Bundeskönigs machen, sind die Anforderungen höher. Robust und zäh soll das Federvieh sein, das ist Pflicht. Das Aussehen die Kür. „Wenn in den Vorrunden rund 50 Schützen auf einen Vogel schießen, muss er schon etwas aushalten“, sagt Bröcher. „Das ist der Anspruch.“

Tim Maiworm sieht dem Ereignis unbeschwert entgegen. Die Tugend der Jugend? Nicht nur, schließlich ist er gelernter Schreiner mit gut ausgestatteter Hobbywerkstatt. Der Aussicht auf hochwertige Stangentiere steht also nichts im Wege. „Das wird“, verspricht der junge Vogelbauer.

„Ich habe immer gesagt, mit 70 höre ich auf“, erzählt Vorgänger Klaus Heuel. Ein Schütze, ein Mann, ein Wort! Im vergangenen Jahr lieferte er zum letzten Mal. „Wenn man einen Schützenvogel baut, muss man die Natur beobachten.“ Und so legte er bei seinen meisterhaften Kreationen neben der richtigen Kondition stets großen Wert auf realistisches Aussehen. Sie glichen den edlen Greifvögeln aufs Beste. Für Königsadler mit kleinen Taubenfüßchen oder dürftigen Schwingen hat er wenig übrig.

Was den Blick auf seinen Vater lenkt, der ihm die Passion für Natur und Gewerk in die Wiege legte: Karl Heuel († 2003), ein Original durch und durch. Mit 19 Jahren schnitzte er den ersten vereinseigenen Vogel von Rüblinghausen überhaupt. Das war 1928. Unerschütterlich und sage und schreibe 70 Jahre blieb er dabei.

Von Beruf ebenfalls Schreiner gehörte er zu der Sorte, die ihren Meisterstücken eine Seele schenken. Und davon gab und gibt es neben besagten Vögeln einige: das große Altarkreuz der Rehringhauser Pfarrkirche oder die Kreuzweg-Stationen in der Olper Heilig-Geist-Kirche. In den 1930er-Jahren war er Mitglied im Segelfliegerclub der Kreisstadt, baute bemannte Segelflieger. Und er fertigte geniale Beinprothesen für Rehe, die unter Mähmaschinen geraten waren. „Die umwickelte er dann mit Wildleder, damit es schön aussah. Die Tiere haben bei uns noch ein langes Leben geführt. Und keines kam in den Topf“, erzählt sein Sohn diese fabelhafte Geschichte.

Geschichte schreiben wollen auch die Rüblinghauser Schützen – und am dritten Septemberwochenende ein Meisterstück abliefern. Zentrum des Geschehens ist das Olper Ausstellungsgelände „In der Trift“ mit einer 12.000 Quadratmeter großen Zelt-installation sowie der Dreifachschießanlage. Hier warten die Erstlingswerke von Tim Maiworm darauf, von geschätzten 150 Titelanwärtern erlegt zu werden. Wie gesagt, der junge Vogelbauer sieht es gelassen. „Ich mache eine grobe Skizze und fange einfach an. Rein intuitiv.“ Und an dieser Stelle ist Markus Bröcher an der Reihe zu sagen: „Das wird “ – und damit meint er viel mehr als die Vögel.

Text / Foto: Birgit Engel

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