Über eine Kanadierin auf dem Olper Ümmerich

Ein echter Elch und ein hölzerner Vogel

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WOLL Sauerland Fran Pilon
Bier, Beff, Spüene und ein hölzerner Vogel. Die kanadische Jägerin Fran Pilon macht sich auf die Spuren der Olper Schützen.

Fran Pilon ist eine Frau von echtem Schrot und Korn. Allein, dass sie eine waschechte Kanadierin ist, aus diesem großen, weiten, wilden und zugleich sehr liberalen Land kommt, in dem man lebt und leben lässt, mag eine erste Vorstellung von ihrem Typ erlauben: robust und gelassen, gradlinig und unbeirrt, humorvoll und extrem agil. Im Juli wird die 73-jährige Dame zum ersten Mal nach Deutschland kommen. Ihr Ziel ist Olpe, um genauer zu sein: das Schützenfest der St. Sebastianus Schützen, die Liebesaffäre der Kreisstädter mit ihrem „Ümmerich“.

Woher WOLL das weiß? Von dem amtierenden Schützenkönig Dirk Thöne und seiner Frau Tracy, Kanadierin und Enkelin von Fran Pilon, oder besser, wie man sie liebevoll nennt, „G´ma“.

Kein Zweifel, G´ma wird am Sauerland mit seinen klaren Gewässern und reizvollen Gegenden Gefallen finden. Ein kleiner Gruß an ihre Heimat, bekannt für riesige Seen und herrliche Landschaften. Völlig neu für sie aber, dass man auf einen hölzernen Vogel, festgezurrt im Kugelfang, schießt. So etwas kennt man in Kanada nicht! Und Fran Pilon ist eine passionierte und ausgemachte Jägerin, streift mit der Flinte im Anschlag durch die endlosen kanadischen Wälder, erlegt Elche, Hirsche und Rehe, mitunter sogar zwei auf einen Streich – kein Jägerlatein, sondern eine wahre Geschichte, die, wie man hört, beim Barbecue an lauen Sommerabenden schon für viele unterhaltsame Stunden hergehalten hat. Wobei dann zwischen den Hamburgerbrötchen kein Rind-, sondern, eben ganz stilecht, Elchfleisch für die deftige Komponente sorgt.

Sie sind ein fröhliches und gastfreundliches Volk, diese Kanadier. Und die Großfamilie von Fran Pilon ein idealtypischer Inbegriff davon. G´ma hat zwei Töchter, fünf Söhne, 15 Enkel und vier Urenkel, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel.

„Als wir uns 2006 kennenlernten, ich war schon mit einem Bein wieder in Deutschland, hat mich meine zukünftige Frau ihrer Familie direkt und gnadenlos zum Fraß vorgeworfen. Das war die Bewährungsprobe, die ich dann auch glücklich bestanden habe“, erzählt Dirk Thöne. Anlass genug für ihn, für weitere zwei Jahre in Kanada zu bleiben. Aber erst, nachdem klar war, dass Tracy das Schützenfest in Olpe besteht. „Wenn Du das packst, dann behalte ich Dich auch!“, war seine Bedingung. Noch im gleichen Jahr ging es auf den Ümmerich. „Sie hat das Schützenfest gerockt. Dabei kannte sie nur drei deutsche Ausdrücke: Zehn Bier, Prost und knisterkalt.“
Dass ihre Enkelin „The Queen of Circletown“ ist, findet Fran Pilon „natürlich klasse“, weiß Dirk Thöne. „Aber anfangen kann sie damit eigentlich nichts – noch nicht. Sie wird jetzt die volle Breitseite erleben und einen Heidenspaß haben.“

G´ma lebt in Noélville, rund 80 Kilometer nördlich der Georgian Bay in der Provinz Ontario im Südosten des zweitgrößten Landes der Erde, wo neben Elchen auch Schwarzbären, Weißwedelhirsche, Wölfe und Kojoten bejagbar sind. Auch wenn Ontario die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas ist, ist sie mit 13 Einwohnern pro Quadratkilometer alleine im Vergleich zum ländlichen Kreis Olpe sozusagen menschenleer. Ganz zu schweigen vom Ümmerich, auf dem am dritten Wochenende im Juli Tausende von Menschen gleichzeitig zusammen feiern und tanzen – man könnte auch sagen, zusammen leben.

Die Geschichte Ontarios ist vor allem die Geschichte der Irokesen, Huronen und Algonkins. Der Name bedeutet „schönes Wasser“. Die Provinz wartet mit ihren 250.000 Seen und einem über 100.000 Kilometer langen Flusssystem mit einem enormen Wasserreichtum auf. „Wenn man im Winter bei G´ma zu Besuch ist, nimmt man nicht die Straße zum nächsten Kiosk, man nimmt den kurzen Weg und fährt mal eben mit ihrem Schneemobil über den vereisten See“, liefert Dirk Thöne einen weiteren Mosaikstein von G´mas Lebensstil.
Die „zwei auf einen Streich“ erlegte Fran Pilon übrigens im Nordwesten Ontarios, an der Grenze zu Manitoba, dem Tor zur Prärie, wo nicht so Hartgesottene in der endlosen Wildnis aus Wald und Wasserläufen, Sümpfen und Mooren schnell an ihre Grenzen kommen. Natürlich nicht G´ma. Selbst dann nicht, als ihr eine Knieoperation das Laufen verbat. Sie erledigte ihren Job eben aus dem Pick-up-Truck heraus.

WOLL Sauerland Fran Pilon
Das amtierende Königspaar der Olper St. Sebastianus Schützen Dirk und Tracy Thöne

„Manchmal ist sie tagelang einfach nicht erreichbar, irgendwo unterwegs“. Die Olper Majestäten freuen sich, ihre G´ma bald unter ihren Fittichen zu haben. Dann wird sie das Olper Beff und Spüene, fein aufgeschnittenes Kuheuter, kennenlernen – und natürlich das Schießen auf den hölzernen Vogel. Bier mag sie sowieso. „Auch da ist sie standfest“, lacht Dirk Thöne. Er und seine Frau Tracy wissen, dass Fran Pilon zwar als Fremde auf den Ümmerich kommt, aber als Freundin geht. Und ein Glückwunsch von einer kanadischen Elchjägerin ist dem neuen König der Olper St. Sebastianus Schützen sicher. Das hat es bisher noch nicht gegeben, woll!

Text: Birgit Engel

 

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