Segeln auf dem Biggesee

Ein fantastisches Revier direkt vor der Haustür

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WOLL Sauerland Segeln
Amalfiküste, Côte d´Azur, Cornwall? Das Seglerparadies im Sauerland heißt Biggesee.

Segeln, das wollte ich schon immer. Das Zeitalter der Entdeckungen fasziniert mich. Die Reisen von Vasco da Gama, Batolomeu Diaz, Ferdinand Magellan, Henry Hudson, John Franklin, Mungo Park … Die „Meuterei auf der Bounty“ gehört ungeschlagen zu meinen Lieblingsfilmen, „Wassermusik“ von T. C. Boyle zu meinen Lieblingsbüchern.
Nun werde ich sicher nie über die Weltmeere segeln. Aber mit dem Wind über das glitzernde Wasser unserer Seen und Küsten ist eine mehr als schöne Vorstellung. Dass ich direkt am Biggesee wohne und man auch hier Segeln lernen kann, darauf bin ich nie gekommen. Warum eigentlich nicht?

Seit einigen Jahren schon hat der Yacht-Club Lister am Biggesee (YCL) seine Türen geöffnet und bietet auch Nichtmitgliedern eine entsprechende Ausbildung an. In diesem Jahr sogar kostenlos. Natürlich fallen Prüfungsgebühren an und auch Bücher, Karten und anderweitige Navigationsutensilien müssen besorgt werden. Die Unterrichtsstunden aber gibt es gratis.
Wenn Sie diese Ausgabe des W.O.L.L.-Magazins in der Hand halten, sind über 20 Menschen im Alter von 17 bis über 60 Jahren aus der Region stolze und ganz frische Besitzer des Sportbootführerscheins See, kurz SBF, dem amtlich vorgeschriebenen Schein, um auf See zu fahren. Seit März haben sie sich jeden Mittwochabend im YCL-Clubhaus getroffen und mit jeder Menge Lernstoff rumgeschlagen. Das Pensum ist enorm: Schifffahrtsrecht und Gesetzeskunde, Meteorologie, Umweltschutz und Schiffsführung. Insgesamt 340 Fragen müssen sitzen.

Im Juni 2013 war es dann soweit. Eine Stunde Zeit, um trockene Aufgaben zu lösen und sich mit Zirkel, Kursdreieck und Seekarte in der Kunst der Navigation zu beweisen. Dazu die praktische Prüfung auf dem Motorboot im Düsseldorfer Hafen: Manöver fahren und Knotenkunde.

Trost während der grauen Theoriestunden gab nicht nur das Wirtsehepaar Jochen und Gaby Sommer mit frischem, in diesem Fall alkoholfreiem Pils, sondern auch der wunderschöne Blick auf den Biggesee sowie Klaus Schulte – oder sagen wir einfach Klaus, denn unter Seglern duzt man sich –, der ausbildete und alles organisierte. Keine leichte Aufgabe, aber als alter Seebär hat er schon ganz andere Stürme überstanden. Und manchmal, und das ist das Schöne, schweift er auch ab. Dann bekommt man was von längst verlorengeglaubter Seefahrerromantik zu hören.

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Mit Seekarte, Navigationsdreieck und Zirkel sind Fabian (29) und Timo (60) auf dem Weg zum SKS. Ausbilder Klaus hilft beim Kurs halten (v.l.).

Seit 50 Jahren segelt er, angefangen hat er mit 13. Natürlich im YCL und, na klar, auf dem Listerstausee. Sein Vater war ein alter Marinesoldat, der die Liebe zum Wasser an seine Kinder weitergab. Als Mitte der 1960er-Jahre der Biggesee gestaut wurde, zog der 1959 gegründete YCL an den heutigen Standort um. Seitdem trägt der Club auch die Bigge im Namen. Heute gibt es hier fünf Segelclubs, die größten davon – neben dem YCL – der Wassersportverein Biggesee in Olpe an der Sonderner Talbrücke und der Yacht- und Ruderclub Attendorn an der Waldenburger Bucht. Zusammen organisieren sie Regatten und engagieren sich in der Jugendarbeit.

1.000 Boote liegen im Sommer auf und am See, schätzt Klaus. Sie kommen nicht nur aus der unmittelbaren Region, das Einzugsgebiet reicht von Hessen über das Siegerland bis ins Rheinland und den Pott. Jeder kennt das Bild von weißen Segeln auf blauem Wasser vor grüner Kulisse. Wenn man Sommertags zwischen den Autokolonnen erholungssuchender Touristen gezwungenermaßen am See entlang schleicht, ist dieser Blick Balsam für die gestresste Seele. Du schönes Sauerland!

Kein Zweifel, Segeln auf dem Biggesee ist alles andere als langweilig. Unter den hiesigen Talsperren hat er die größte zusammenhängende besegelbare Wasserfläche und ist bei den sich ständig ändernden Winden, Böen und Drehern eine echte Herausforderung. „Seit 35 Jahren fahre ich Regatten und verstehe ihn immer noch nicht“, sagt Klaus, der sich hier wie in seiner eigenen Westentasche auskennt und jeden Baum hat wachsen sehen. Natur, Sport und Technik – Segeln verbindet. Das völlige Abschalten auf dem Wasser. Mit Wind, Wasser und Können sportlichen Erfolg erleben. Ein Hobby für die ganze Familie, für jedes Alter von acht bis 80, vielseitig von Olympia – siehe YCL-Eigengewächs Johannes Polgar – bis zum Kaffeesegeln.

Segeln kann man sein Leben lang. Und dazu braucht es auf dem Biggesee noch nicht mal ein eigenes Boot. Man kann sich zum Beispiel einer Eignergemeinschaft anschließen. Ansonsten gibt es immer jemanden, der sich über eine Begleitung freut. Für die Jugend haben die Clubs vereinseigene Boote, sogenannte Optimisten, am Steg.

Dass mit dem alten Seebären ist übrigens ernst gemeint. Klaus hat den Atlantik durchsegelt, die Karibik, die Küsten Brasiliens und Thailands …Bald bricht er zu einer Pazifiküberquerung auf. 3.000 Seemeilen ohne Land in Sicht. Astronomische Navigation hat er auch gelernt. Die Träume ziehen indes in den Norden: die Lofoten und höher. „Das wäre ein Wahnsinnstraum.“ Sein eigentliches Revier aber ist der Biggesee.

Zurück zu den glücklichen SBFlern. Für acht von ihnen geht die Reise weiter. Sie wollen im Herbst den Sportküstenschifferschein, kurz SKS, ablegen, um bis zwölf Seemeilen vor den Küsten aller Meere segeln zu dürfen. Das heißt, noch einmal viel graue Theorie. Und dann geht es zum Ausbildungstörn. Ziel ist Split und die Adriaküste. Vor der Prüfung – auf dem Meer – sind 300 Seemeilen abzusegeln. Nun ja, es gibt Schlimmeres. Am 28. September 2013 geht´s los. Das W.O.L.L.-Magazin ist dabei und berichtet in der Dezember-Ausgabe. Ist klar, woll!

Text/Foto: Birgit Engel

WOLL Sauerland Magazin 2Diese und weitere interessante Geschichten lesen Sie in der Sommer-AUSGABE 2013 unseres Magazins
WOLL – RUND UM BIGGESEE UND LISTERSEE

 

Das Magazin liegt in vielen Verteilstellen Geschäften, Gastronomiebetrieben, Banken, Sparkassen, Bäckereien und in den Rathäusern rund um den Biggesee aus und ist kostenlos erhältlich.

Eine Übersich der Verteilstellen finden Sie unter woll-magazin.de

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