Wie kommt der Osterhase zu den Eiern?

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Diese Frage hat sicher schon so manch ein Kind, aber auch Erwachsenen beschäftigt.

Die folgende Ostergeschichte einer treuen WOLL-Leserin aus Jülich gibt eine Antwort darauf, wie es gewesen sein könnte.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Da Hasen bekanntlich keine Eier legen, machte ich mir schon so meine Gedanken, wieso der Osterhase zu Ostern die Eier versteckt. Ob das wieder so eine erfundene Geschichte der Erwachsenen ist? Um ganz sicher zu sein, fragte ich Oma. Oma schwindelte nicht und wusste alles. Oma kam immer am Sonntag. Morgen war Sonntag und morgen, am Sonntag, würde ich sie fragen, was es mit dem Osterhasen und den Eier auf sich hat.

Oster-Hasen „Na Kleine. Was gibt es Neues?“ fragte Oma, als sie alle begrüßt hatte und sich natürlich überwiegend um mich kümmerte. „Oma, ich muss dich was ganz Wichtiges fragen, aber du darfst mich nicht beschwindeln“, begann ich. „Aber warum sollte ich lügen? Was gibt es denn so Wichtiges?“ antwortete Oma.

Sie nahm mich auf den Schoß. Das tat sie immer, wenn wir etwas Ernstes zu besprechen hatten. „Oma, sag mal, wieso bringt der Osterhase zu Ostern die Eier. Er legt keine und hat auch sonst nichts mit Eiern zu tun? Und wieso sind die Eier dann bunt? Sie sind doch normalerweise weiß oder braun.“

Oma stutzte und überlegte. Ich wusste, sie hatte eine Erklärung. Sie holte tief Luft und hob die Augenbrauen. Das tat sie immer, wenn sie etwas Ernstes sagte.

 „Also. Das war damals so. Wie du schon richtig erkannt hast, gibt es braune und weiße Eier. So, wie es auch braune und weiße Hühner gibt. Diese Hühner haben sich auch immer gut verstanden. Sie lebten auf einem Bauernhof, hatten einen großen Stall mit Stangen, auf denen sie saßen und Kojen, in die sie ihre Eier legten. Am Tag tippelten sie über die Wiese, scharrten nach Würmern und Käfern und wenn die Bäuerin kam, und sie mit Körnern fütterte, dann pickten sie aufgeregt danach. Auf jedem Bauernhof gab es auch einen Hahn. Der war auch weiß oder braun und krähte jeden Morgen so laut, dass alle wach wurden. Er war der Chef und was er sagte, musste getan werden.

So war auf einem Bauernhof ein weißer Hahn, der schon alt war. Er war ein guter und lieber Hahn und passte immer gut auf seine Hühner auf. Es gab nie Streit unter ihnen. Als der Hahn nun starb und in den Himmel kam, da fragte ihn der liebe Gott: „Nun Hahn, du warst ja immer ein besonders guter und lieber Hahn, dafür hast du auch einen Wunsch frei. Was also wünschst du dir?“ „Oh“, sagte der Hahn, „wenn das so ist, dann wünsche ich mir noch einmal auf die Erde zu dürfen, zu meinen Hühnern. Aber diesmal möchte ich nicht weiß sein. Nein! Ich möchte bunt sein, braun, weiß, etwas schwarz und etwas blau sollen meine Schwanzfedern in der Sonne leuchten.“ „Nun“, antwortete der liebe Gott. „Das ist ein sehr ausgefallener Wunsch, aber er soll dir erfüllt werden.“ Und schwupp war der Hahn wieder auf dem Bauernhof, bei seinen weißen Hühnern. Er sah genauso aus, wie er es sich vom lieben Gott gewünscht hatte. Die Hühner erschraken, denn so etwas hatten sie noch nie gesehen. Sie gackerten und hüpften um ihn herum, bewunderten ihn und hatten mächtig Respekt vor ihm. Der Hahn hatte sich aber verändert. Er war nicht mehr so nett wie früher.

Oster-Hasen Er stolzierte über den Hof, verlangte, dass sich die Hühner vor ihm verbeugten und auch zu den anderen Tieren war er nicht mehr nett. Zu den Hasen, zum Beispiel. Früher, da hatte er sie begrüßt und er duldete, dass sie auf dem Hof herum hoppelten. Jetzt aber hob er die Flügel senkte den Kopf und schoss auf die Hasen zu, um nach ihnen zu hacken. Zu den Hühnern sagte er: „Ich verlange, dass ihr ab sofort auch bunte Eier legt, so, wie meine Federn sind. Und keine von euch, darf mit den Hasen sprechen.“ Die Hühner hatten Angst vor dem Hahn, wussten aber nicht, was sie tun sollten, um bunte Eier zu legen. Sie konnten doch seit Jahren nur weiße Eier legen. Die Hühner waren verzweifelt.

 Eines Tages dann, der Hahn war gerade nicht zu Hause, da liefen die Hühner zu den Hasen und sagten: „Könnt ihr uns nicht helfen? Der eingebildete Hahn verlangt von uns, dass wir bunte Eier legen. Das können wir aber nicht. Wir fürchten uns vor ihm. Jemand müsste ihm mal so richtig einen Denkzettel verpassen.“ Da steckten die Hasen die Köpfe zusammen und nach einigen Minuten lachten sie laut. „Alles klar, wir werden dem eitlen Hahn einen Denkzettel verpassen. Ihr müsst uns aber helfen.“ „Gerne“, sagten die Hühner.

 In den nächsten Tagen legten die Hühner doppelt so viele Eier, wie sonst. Einen Teil legten sie, wie immer, in die Kojen, einen anderen Teil legten sie unter die Hecke am Zaun auf der großen Wiese. Diese Eier holten sich die Hasen. Die Hasen hatten sich einen Malkasten besorgt und bemalten nun die Eier, die unter der Hecke lagen. Sie legten sie in einen Korb und als der Korb voll war sagten sie zu den Hühnern: „So. Es ist soweit. Wir werden am Sonntag dem Hahn einen Denkzettel verpassen, an den er noch lange denken wird. Ihr werdet am Sonntag keine Eier legen. Und wenn, er fragt, warum, dann sagt, ihr habt die Eier versteckt, weil sie so schön bunt sind, schöner als der Hahn selbst.“Frohe Ostern - FREY PRINT + MEDIA

 Die Hasen versteckten die bunt bemalten Eier im Garten der Bäuerin. Als die am Sonntag aus dem Fenster sah, bemerkte sie, dass etwas wunderschön glitzerte, im Garten, in der Sonne. Sie lief hinaus und fand die bunten Eier. Aufgeregt rannte sie über den Hof, vorbei an dem eingebildeten Hahn, den sie heute gar nicht beachtete, hin zum Bauern und rief: „Schau, was unsere Hühner gemacht haben. Sie haben wunderschöne bunte Eier gelegt. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich dachte bisher, wir hätten den schönsten Hahn, aber jetzt weiß ich, wir haben die besten Hühner und sie legen die schönsten Eier.“ Das hörte der Hahn. Er wurde zuerst feuerrot vor Wut, rannte auf dem Hof herum, krähte und gackerte erbost holte tief Luft und fiel in den Gartenteich. Mit letzter Kraft rettete er sich ans Ufer, schaute an sich herab und stellte entsetzt fest: Er war wieder weiß – schneeweiß-. Er rieb sich die Augen, weil er das gar nicht glauben wollte, doch, er war noch immer weiß und das sollte er auch bleiben.

Beschämt schlich er sich an der Mauer entlang, versteckte sich in der Scheune und bete zu Gott: „Lieber Gott. Ich will wieder in den Himmel.“ Da holte der liebe Gott ihn  wieder zu sich und fragte: „Na, Hahn. Was jammerst du? Hattest du nicht den Wunsch ein bunter Hahn zu sein und habe ich dir diesen Wunsch nicht erfüllt? Du wolltest etwas ganz besonderes sein. Aber was hast du getan in deiner Eitelkeit? Du warst eingebildet, ungerecht und nicht mehr der Freund für die anderen, der du einmal warst. Deine Überheblichkeit hat sich gerächt. Du hast die Hasen unterschätzt. Du hast geglaubt, sie seien dir unterlegen, aber sie waren schlauer als du. Sie haben dich überlistet und du bist in deiner blinden Eitelkeit auf sie hereingefallen. Damit das aber nie wieder passiert, will ich diesen Sonntag – Ostersonntag –nennen und in jedem Jahr zu Ostern sollen die Menschen bunte Eier in ihrem Garten finden, die die Hasen dort verstecken, damit man sich ab jetzt immer daran erinnert, dass nicht das Aussehen, sondern die Freunde und die Freude, die man ihnen haben kann, das Wichtigste auf der Welt sind.“

So sprach der liebe Gott und seither werden von den Hasen die Eier im Garten versteckt und da das zu Ostern geschieht, nennt man sie Osterhasen.“

Oma dachte noch einen Moment ganz still nach, senkte die Augenbrauen wieder und schien sehr zufrieden, denn sie lächelte mich an. Jetzt wusste ich endlich, warum die Osterhasen und nicht die Hühner die Eier zu Ostern verstecken. Meine Oma war eben eine kluge Frau und schwindelte nie.

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